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Nie wieder U-Bahn

29. September 2009

Seit letzter Woche läuft Tony Scotts „Pelham 123“ in unseren Kinos. Bisher konnte ich mich aber noch nicht so recht mit dem Film anfreunden, da der Trailer mich nicht vollkommen mitgerissen hatte. Zu meinem Glück kam am Sonntag das Original auf tele5 mit dem schwungvollen Titel: „Stoppt die Todesfahrt der U-Bahn 123“.

Joseph Sargant verfilmte 1974 den Roman von John Godey und machte einen etwas anderen Thriller daraus. Warum anders? Nun, für einen Thriller musste ich sehr viel lachen. Vielleicht liegt es daran, dass Walther Matthau mitspielte und man sich auf seinen Ruf als komischer Schauspieler verlassen wollte oder man wollte eine neue Art des Thrillers erschaffen: den witzigen Thriller.

In „Stoppt die Todesfahrt…“ überfallen vier Männer die U-Bahn Pelham 123 und fordern von der Stadt New York eine Million Dollar (man sieht, damals war man noch etwas bescheidener als heute). In der U-Bahn-Schaltzentrale sitzt Zachary Garber (Walther Matthau) und muss mit dem Kopf der Gangster „Mr. Blue“ (Robert Shaw) verhandeln. Der will in einer Stunde sein Geld haben und sollte es nicht rechtzeitig da sein, würde er für jede überschrittene Minute einen Fahrgast erschießen.

Mit „Stoppt die Todesfahrt…“ lernen wir endlich (bzw. die, die es noch nicht wussten), woher Tarantino auf die Idee mit den Farbennamen für „Reservoir Dogs“ kam. Alle vier Gangster in der U-Bahn sind ebenfalls nach Farben benannt. Noch viel interessanterer wird der Film für alle Fans von „King of Queens“ – Jerry Stiller (alias „Arthur Spooner“) spielt Rico Patrone, der Garber bei seinen Verhandlungen unterstützt. Das ist auch tatsächlich in der Serie (ich glaube, in der achten Staffel) zu sehen.

Aber gut, ich schweife ab. Warum ist „Stoppt die Todesfahrt…“ nun ein eher witziger Thriller? Nun, es steckt extrem viel schwarzer Humor im Film. So rotzfrech ist noch nie jemand mit Erpressern umgegangen wie Walther Matthau. Matthaus Garber ist im allgemeinen ein sehr zynischer Mann – am besten verdeutlicht das die Anfangsszene, in der Garber eine Gruppe Japaner durch die Zentrale führt und sie – im Glauben sie verstünden ihn nicht – immer wieder als Affen beschimpft. Man kann sich sicher sein, dass Garber zu jeder Situation den passenden Spruch hat. Zudem kommen ein paar „un-thrillerhafte“ Figuren hinzu, allen voran ein kranker, feiger Oberbürgermeister, der sich hinter anderen versteckt und lieber abwartet, um seine Wahlen nicht zu beeinflussen. Erst die Tatsache, dass er sich durch die Zahlung der Million 18 feste Wählerstimmen (die Geiseln) sichern kann, überzeugt den Mann zum Handeln. (Plus: Guckt man den Film heute, kann man sich an den herrlichen Frisuren und Porno-Bärten der 70er Jahre erfreuen – hier sticht vor allem Jerry Stiller hervor, den man ja nun wirklich vorwiegend als „Arthur Spooner“ kennt)

Die Komik überspielt aber nicht die Tatsache, dass wir es hier mit einem spannenden Thriller zu tun haben. Der Film ist grandios in Szene gesetzt. Für die Dreharbeiten verwendete Regisseur Sargant einen stillgelegten U-Bahn-Tunnel. Hier im Dunkeln hocken die Entführer und ihre Geiseln, während „oben“ die Polizei und die U-Bahn-Polizei nur an Mikrofonen sitzen und keine Ahnung haben, wie die Situation wirklich ist. Dazu kommen noch einige Streitigkeiten unter den Entführern – vor allem Mr. Grey ist ein eigensinniger Geselle, der Mr. Blue von Anfang an unsympathisch ist. Es entsteht so ein ständiger Wechsel zwischen den beiden Orten des Films. Garber oben, Mr. Blue unten – sie führen beide einen Krieg, obwohl sie sich noch kein einziges Mal gesehen haben.

Jetzt stellt sich natürlich die Frage, was ein Remake an diesem Film verändern könnte. Da es sich um Tony Scott handelt, der sich hier am Original zu „schaffen“ macht, denke ich mal, dass es ein etwas härterer Streifen wird als das Original. Allein schon wenn man Robert Shaw und John Travolta vergleicht: Shaw sieht aus wie ein Gentleman-Ganove, während Travolta wie ein Motorradgang-Mitglied aussieht. Auch wird Garber hier stärker als Familienmensch dargestellt, immerhin hat er im Remake eine Frau – im Original wissen so gut wie gar nichts über das Privatleben des Cops.

Das Remake „Pelham 123“ wird die Originalstory sicherlich zu einem ordentlichen Action-Spektakel gemacht haben. Allein der Trailer zeigt schon, dass einige Änderungen in der Story vorhanden sind – so treffen Mr. Blue und Garber im Original zum Beispiel nie aufeinander. Jetzt stellt sich natürlich die Frage: Ins Kino gehen – ja oder nein? Da bin ich mir nicht so ganz sicher – nachdem ich das Original gesehen habe, würde ich mich aber tatsächlich eher für einen Kinobesuch entscheiden. Ohne das Remake gesehen zu haben, denke ich trotzdem, dass Scott einen recht passablen Thriller auf die Leinwand bringt (immerhin hat Scott ja eine beachtliche Liste an guten Filmen vorzuweisen: „Domino“, „The Last Boy Scout“, „Man in Fire“ oder „True Romance“). Vielleicht wird der etwas fiese Humor fehlen (die Sache mit der Milch im Trailer fand ich eher weniger zum Lachen), aber es könnte durchaus gutes, handfestes Popcorn-Kino sein.

Wertung: 8 von 10 Punkten (packender Thriller mit viel schwarzem Humor)

2 Kommentare leave one →
  1. Dr. Borstel permalink
    29. September 2009 18:19

    Nach dem, woran ich mich noch erinnere (ist einige Jahre her, dass ich den Film gesehen habe), stimme ich dir zu. Vor allem die unglaublich witzige Schlusszene ist einfach unvergesslich.

    • 30. September 2009 07:15

      Die Schlussszene ist wirklich genial. Vor allem, weil sofort danach der Film zu Ende ist. Es bleibt dieser kurze Moment, in dem der Zuschauer weiß: Ja, er hat’s gemerkt und dann ist Schluss. Einfach nur genial simpel.

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