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Die Wahrheit tut weh!

28. September 2009

Für Quentin Tarantino gehört der Film zu seinen persönlichen Lieblingsfilmen (diese hat der  Macher von „Inglourious Basterds“ erst kürzlich in einer Top 20-Liste aller Filme seit seinem „Reservoir Dogs“ benannt – wer mehr darüber wissen will, sagt Bescheid :P). Für mich war es eine gewisse Beruhigung, dass Michael Mann immer noch in der Lage ist, spannende Filme zu machen. Nach der Verfilmung seiner Serie „Miami Vice“ und dem erst kürzlich in unseren Kinos angelaufenen Schnarchfest „Public Enemies“ war ich mir nicht mehr sicher, ob nach „Heat“ und „Colletaral“ etwas Hochwertiges von Mann zu erwarten war. Immerhin steht der Name Michael Mann für gutes Action-Kino in Top-Besetzung.

Wer allerdings bei Michael Manns „The Insider“ einen furiosen Action-Kracher erwartet, könnte enttäuscht werden. Ich zumindest wurde aber positiv enttäuscht, entwirft Mann hier doch einen äußerst ruhigen Thriller, der auf Action und Furios verzichtet, um stattdessen einen eleganten, spannenden Film zu schaffen.

„The Insider“ ist Jeffrey Wigand (Russell Crowe in einer „dicken“ Rolle), der erst kürzlich wegen „Kommunikationsschwächen“ von seinem Arbeitgeber, dem Zigarettenfabrikant Brown & Williamson, gefeuert wurde. Wigands eigentliches Problem war aber, dass er es nicht hinnehmen konnte, dass seine Firma ein wenig Ammoniak und andere chemische Stoffe den Zigaretten zusetzt, um so die Suchtwirkung von Nikotin zu erhöhen. Der investigative Journalist Lowell Bergman (Al Pacino mal wieder in einer passenden Rolle) versucht Wigand zu einem Interview bei „60 Minutes“ zu überreden. Wigand zweifelt, hat er doch eine Verschwiegenheitsklausel unterschrieben. Aber als wieselflinker Journalist findet Bergman einen Weg, um so nur noch alles viel schlimmer zu machen.

Mann verfilmt hier den wahren Fall rund um Wigand und Bergman. Inwieweit hier noch ein fiktive Freiheiten die Story ausbauen kann ich nicht sagen, aber trotzdem wird der Film immer „heißer und heißer“. Wigands Entscheidung, seine vertragliche Verschwiegenheit zu brechen, bringt ihm nichts als Ärger. Am Ende hat er gar nichts mehr: seine Frau verlässt ihn und sein ehemaliger Arbeitgeber gräbt genug Dreck aus, um eine Rufmord-Kampagne gegen den Ex-Mitarbeiter zu starten. Und Bergman hat mit ähnlichen Problemen zu kämpfen, um das Interview überhaupt zeigen zu dürfen.

Auf der einen Seite präsentiert uns Michael Mann den ehrenhaften Journalisten, der alles versucht, um sowohl seine Informationsquelle als auch seine Arbeit zu schützen. Auf der anderen Seite haben wir den kleinen Mann, der ein beschauliches Leben führt und sich dann selbst alles nimmt. Wigands Rolle ist schwer zu fassen: Schweigen – ja oder nein. Als guter Amerikaner sieht er es natürlich als seine Pflicht an, die Wahrheit entgegen aller Konsequenzen preiszugeben. Somit ist Manns Film nicht ganz frei von etwaigem Pathos. Doch ist es gerade die Heroisierung von Wigand, die den Zuschauer stärker an die Figur bindet. Wir wollen nicht, dass sein Opfer umsonst ist – immerhin hat er alles aufgeben müssen, nur damit seine Geschichte erzählt wird.

Pacinos Kampf und Crowes Untergang brauchen somit keine aufwendigen Verfolgungsjagden oder große Explosionen. Es reicht aus zu sehen, wie Crowes Jeffrey Wigand durch die Verfolger seiner ehemaligen Firma mit jeder Filmminute nervöser wird.

Zugegeben, mit fast drei Stunden Laufzeit ist „The Insider“ ein Film mit Längen. Lässt man sich aber darauf ein, entfaltet sich ein sehr vielschichtiger Film, der einen tieferen Blick in hinter die Kulissen der „Vierten Macht“ gibt.

Wertung: 8 von 10 Punkten (wohl ein Thriller, wie ihn nur das wahre Leben schreiben kann)

4 Kommentare leave one →
  1. Dr. Borstel permalink
    28. September 2009 13:55

    Will mehr wissen. 😉

    Hm, klingt soweit nicht übel. Der Name Michael Mann lässt mich immer mit ein wenig Skepsis an einen Film herangehen – „Collateral“ war sicher einer der besten Thriler des Jahrzehnts, wohingegen zum Beispiel „Miami Vice“ doch eher … naja, verzichtbar war. Und „Public Enemies“ kann man sich auch sparen? Allein das Mitwirken Johnny Depps hätte mich ja schon gereizt, mir den irgendwann mal anzuschauen, auch wenn’s für einen Kinobesuch dann doch nicht gereicht hat. Aber gut, „The Insider“ bleibt mal vorgemerkt, auch wenn ich mit der Story nicht allzu viel anfangen kann.

    • 28. September 2009 14:31

      Ok. Liste folgt so schnell wie möglich.

      Ja, „Public Enemies“ fand ich echt etwas langweilig (der Link zum Artikel ist ja oben zu finden).
      Mit der Story zu „The Insider“ konnte ich erst auch nicht wirklich viel anfangen und ehrlich gesagt, hatte ich in der ersten halben Stunde überlegt, mir was anderes anzugucken – aber aus Faulheit bin ich dann doch irgendwie hängen geblieben und das war wohl auch gut so 🙂

    • donpozuelo permalink*
      28. September 2009 14:47

      So, HIER ist sie nun 🙂
      Viel Spaß dabei.

Trackbacks

  1. Tarantinos Lieblinge « Going To The Movies

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