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Verzweifelter Schrei nach Liebe

27. September 2009

Was sich hier nach dem Song von „Die Ärzte“ anhört, ist in Wirklichkeit James Deans zweiter und gleichzeitig vorletzter Kinofilm, der einen Monat nach dem Tod der Ikone veröffentlicht wurde: „Rebel Without A Cause“ (dt. Titel: „…denn sie wissen nicht, was sie tun“). Mit diesem Film wurde James Dean endgültig zum Kult einer Ära, spielt er doch hier den jungen Rebellen, den man als Teenager in sich sehen will (vielleicht?).

Nicholas Rays Film präsentiert uns drei „traurige“ Seelen: da ist zum einen Jim Stark (James Dean). Jim fühlt sich durch seine Familie zerrissen – sein Vater lebt unter der Fuchtel seiner Frau und seiner Mutter und kann seinem Sohn so kein Vorbild sein, weswegen der sich immer wieder in Gewalt und Alkohol verliert, weswegen die Familie oft umzieht. Als zweite arme Seele wäre da Judy (Natalie Wood, die Maria aus „Westside Story“), die sich verzweifelt darum bemüht, die Liebe ihres Vaters für sich zu gewinnen. Die tragischste Figur ist aber wohl der junge John „Plato“ (Sal Mineo), ein Scheidungskind, der ganz allein mit einer Haushälterin in einem großen Haus lebt und von seinen Eltern komplett ignoriert wird.

Diese drei sind die „Rebellen“, die sich nach dem Tod eines Freundes (das berühmte „Chicken-Race“, bei dem zwei Fahrer auf ein Kliff zu fahren und wer als erstes rausspringt, ist ein „Chicken“ – ein Feigling) zusammenfinden und eine alternative Familie gründen, in der die Fehler aus ihren eigenen Familien nicht wiederholt werden sollten.

„Rebel Without A Cause“ ist einer der besten Filme über tragische Teenager, die sich in Gewalt und Fantasiewelten stürzen. Ray zeigt uns drei stereotype Figuren, die man so oder so betrachten kann: entweder als absolute Träumer oder als Resultate der Fehler der Eltern. Um aber weder das eine noch das andere hervorheben zu müssen, verdeutlicht der Film die Nichtigkeit solcher Probleme, indem er alle drei Figuren in einen Vortrag in einem Planetarium setzt. Hier in der Dunkelheit und unter dem Sternenhimmel dürfen sich die drei (und der Zuschauer) anhören, dass die Erde nur ein winziger, zu vernachlässigender Punkt in einem unendlichen Raum ist. Ob er nun da ist oder nicht, interessiert das Universum wenig. Somit erscheinen auf die Probleme der Jugendlichen fast schon trivial – wenn kümmert es schon, was sie denken. Aber im Kopf eines Jugendlichen zählen seine Probleme mehr als alles andere. Umso verständlicher werden dann die Versuche, irgendwo dazu zu gehören.

Interessanterweise erscheint der deutsche Titel passender als der amerikanische Originaltitel: obwohl sie Rebellen sind, haben sie doch immer einen Grund – die Fesseln der Familie, wenn man so will. Der Spruch: „… denn sie wissen nicht, was sie tun“ zeigt doch irgendwie deutlicher, dass die Teenager zwar rebellieren, aber selber nicht wissen, wie sie gekonnt rebellieren sollen. Ansonsten würde der Film nicht das tragische Ende nehmen, sondern in einer glücklichen neuen Familie bestehend aus Jim, Judy und John (schöne Alliteration der Namen übrigens).

Mit „Rebel Without A Cause” liefert James Dean seine beste Leistung überhaupt und wer den Film einmal gesehen hat, der kann verstehen, warum der Name James Dean gleichbedeutend mit Coolness ist. James Deans Jim Stark ist ein Sinnbild für den Idealismus einer Generation, die sich selbst beweisen will. Ständig geht es ihm um die Ehre, um Stolz: er will sich als Mann beweisen. Dabei erkennt er zu spät, dass er in den Augen von Plato (John) bereits mehr ist als nur ein Mann – er ist ein Held und eine Vaterfigur zugleich.

Ich kann nur jedem empfehlen, sich diesen Film anzuschauen. Auch nach 54 Jahren hat „Rebel Without A Cause“ nichts von seiner Faszination verloren, was höchstwahrscheinlich daran liegt, dass das Problem immer noch ein aktuelles ist: ein Kampf zweier Generationen und ein Kampf um Anerkennung.

Wertung: 10 von 10 Punkten (ein Klassiker, der die Legende James Dean vollendet)

Interessante Entdeckung: Jetzt habe ich diesen Film bestimmt schon zum vierten Mal gesehen, aber erst jetzt ist mir aufgefallen, dass es in der Gruppe, der sich Jim Stark stellen muss, ein bekanntes Gesicht gibt: Dennis Hopper mit vollem Haar. Wenn man genau hinsieht, erkennt man schon das markante Gesicht.

14 Kommentare leave one →
  1. AmselTarnSchlaf permalink
    25. November 2012 11:18

    Whoa, einer der ganz großen Klassiker… Ich gebe dem Don Recht, „Rebel Without A Cause“ sollte wirklich Jeder einmal gesehen haben! Ich selbst hab ihn zum ersten Mal in der Pubertät gesehen und war damals berührt und aufgewühlt wie von kaum einem anderen Film.

    Allerdings finde ich nicht wirklich, dass der deutsche Titel passender ist als der originale. Sicherlich haben hier die Protagonisten (allen voran James Deans Charakter) einen Grund für ihre Gefühle und Taten, auch wenn dieser von außen (also durch das Zuschauer-Auge betrachtet) eigentlich gar keiner ist, bzw. sein müsste.

    Aber das ist nur Haarspalterei. Fakt ist, dass dieses Stück Kino mehr als nur eine Generation geprägt hat – und das nicht ohne, sondern aus sehr gutem Grund! ^^

    • donpozuelo permalink*
      25. November 2012 11:27

      Der Film ist wirklich sehr sehenswert. Ein Teenie-Film mit Sinn und Verstand, den man sich auch heute noch angucken kann.

      Und ja, der deutsche Titel klingt wirklich nach mehr. Hat auch mehr Bedeutung für den Film an sich.

  2. 25. November 2012 14:03

    Kurioserweise habe ich diesen Artikel erst vor Kurzem gelesen, aber aus welchem Grunde auch immer nicht kommentiert!
    Rebel Without a Cause war einer der Filme, die mir im Laufe der Vorlesung zur Filmgeschichte gezeigt wurde – es war einer der besten Filme der Reihe. James Dean ist einfach der komplette Held eines Jugendlichen. Schade, dass er so früh gestorben ist und nicht in mehr als seinen drei Kinofilmen die Ängste und Gefühle der Jugend zum Ausdruck bringen konnte.

    • donpozuelo permalink*
      25. November 2012 14:43

      James Dean war wirklich großartig. „Rebel Without A Cause“ gehört definitiv in eine Vorlesung zur Filmgeschichte. Nur wenn das einer der besten war, dann gab’s wohl keine allzu schöne Auswahl.

      • 25. November 2012 14:46

        Nun, das war zumindest neben den ganzen filmhistorischen Aspekten auch ein Film, der an seiner Faszination der Schauspieler und auf der Handlungsebene einfach kein bisschen verloren hat.
        Das war bei anderen Filmen weniger der Fall…

  3. 25. November 2012 15:14

    Klassiker, habe ohnehin alle James Dean Filme gesehen.

    • donpozuelo permalink*
      25. November 2012 15:46

      Das ist auch nicht allzu schwer 😉 Mir fehlt nur noch einer.

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