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Eine Symphonie des Grauens

24. September 2009

Es gibt einflussreiche Filme und einflussreiche Filme. Einer der einflussreichsten ist sicherlich Friedrich Wilhelm Murnaus „Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens“ von 1922 nach dem Roman von Bram Stoker.

Der Häusermakler Knock (Alexander Granach) schickt seinen Mitarbeiter Hutter (Gustav von Wangenheim) in die Karpaten. Dort soll Hutter dem Grafen Orlok (Max Schreck – der Name ist Programm) ein Haus in Hutters Heimatstadt Wisborg verkaufen. Hutters Geschäft verläuft gut, doch sein Gastgeber Orlok wird dem jungen Mann immer unheimlicher. Das von ihm anfangs verlachte Kompendium über Vampire bringt Hutter aber dazu, Nachforschungen über den Grafen anzustellen. Schnell muss Hutter erkennen, dass der Graf ein echter Vampir ist und sich auf dem Weg nach Wisborg befindet. Vor Wisborg ankert schließlich das Schiff, mit dem der Graf angekommen ist und bringt Tod und Verderben mit in die Stadt. Hutters Frau Ellen (Greta Schröder) und auch Hutters Chef Knock wissen von der Ankunft des Bösen. Nachdem auch Hutter den Weg zurück nach Hause schafft, liest Ellen in seinem Buch, wie der Vampir besiegt werden kann und so opfert sich die junge Frau, um Nosferatu aufzuhalten.

„Nosferatu“ ist prägend für den Horror- und vor allem für den Vampirfilm: alle bekannten Elemente und Eigenschaften des Vampirs werden in Murnaus Film bis ins kleinste Detail beschrieben: die Särge, die dunklen Schlösser, die Ratten, der Hass auf die Sonne und die Liebe für schöne Frauen.

Murnaus Film besticht aber auch durch eine einzigartige Optik. Vor allem das Land des Vampirfüsten zeigt Murnau in einer natürlichen Schönheit mit zahlreichen Außenaufnahmen, die immer wieder im Kontrast stehen zu den dunklen Fluren und Gängen in Orloks Schloss, in dem nur Schatten vorherrschen. Gerade im Zusammenhang mit dem unheimlichen Vampir setzt Murnau auf Dunkelheit – meist ist nur eine einzelne Figur beleuchtet oder wir sehen nur den Schatten des Vampirs über die Wand gleiten. Hier legt Murnau den Grundstein für Grusel: Man muss nicht immer alles direkt vor der Kamera sehen, um sich davor zu fürchten.

Am wirkungsvollsten ist und bleibt aber Schauspieler Max Schreck als Nosferatu. Die Augen, die blasse Haut, die hohlen Wangen, dieser irre Blick, die langen Finger – im richtigen Licht (oder noch besser: kaum beleuchtet) ist dieser Mann so unheimlich anzuschauen, dass es nicht verwundert, dass der Film „Shadow of the Vampire“ die Idee aufnimmt, Max Schreck (gespielt von Willem Dafoe) wäre ein echter Vampir gewesen. In Schrecks Schauspiel spiegelt sich das Animalische, das Unheimliche in der Figur des Vampirs wieder: die Erotik muss dann allerdings erst mit Brad Pitt in den Vampirfilm gekommen sein. Trotz fehlender Erotik auf Seiten Schrecks entsteht eine Faszination mit diesem Schauspieler/ seiner Figur. Man wartet – fast schon mit Freude auf das Schauern – auf den nächsten Blick, den man auf das Ungeheuer Nosferatu werfen kann.

Murnaus „Nosferatu“ ist ein zeitloser Klassiker. Wer sich dennoch dagegen sträubt, Stummfilm zu gucken, dem empfehle ich Francis Ford Coppolas „Dracula“ (oder wer will kann sich auch das offizielle Remake von Werner Herzog mit Klaus Kinski in der Rolle des Nosferatu ansehen). Der Coppola-Film ist berauschender, blutiger, erotischer, aber genauso bildgewaltig wie Murnaus Werk. Dennoch wird wohl niemand an das dunkle Original herankommen und das liegt allein schon daran, dass es wohl niemanden gibt, der den Nosferatu so gut spielen kann wie Max Schreck.

Wertung: 9 von 10 Punkten (dank Schrecks grandioser Darstellung und Murnaus dunkler Inszenierung ein Meilenstein des Horrorfilms)

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