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Wir sind unwürdig!

23. September 2009

Zwei etwas verwirrte Typen machen eine TV-Show in einem Keller namens “Wayne’s World”. Irgendwann kommt ein schmieriger TV-Produzent auf die Idee, die Show aufzukaufen und umzustrukturieren. Nun ist es an den beiden Machern der Show, sich wiederzuholen, was ihnen gehörte.

Kann man „Wayne’s World“ einfach nur kompletter Anarcho-Trash bezeichnen oder als geniale Kritik an den großen bösen Fernsehkonzernen, die kleine Shows vollpumpen mit Werbung und Product Placement und sich weniger darum kümmern, was sie auf den Bildschirm bringen. Sicher, sicher: man kann aus jedem Film eine wissenschaftliche Arbeit machen. Wer tief genug gräbt, der findet immer irgendwas. Aber bei Penelope Spheeris‘ „Wayne’s World“ wollen wir eigentlich gar nicht über solche Sachen nachdenken, sondern einfach nur ablachen – über trashige Typen, die nie erwachsen werden, immer noch bei Mutti wohnen und selbst für Rock’n’Roll-Gott Alice Cooper noch auf die Knie fallen.

„Wayne’s World“ ist einer dieser Filme, die schon von Anfang an gut sind. Allein wegen des gekonnten und oft kopierten Queen-Playbacks zu „Bohemian Rhapsody“ wird dieser Film jedem im Gedächtnis bleiben (und keine Sorge: mit ein bisschen Übung kann das jeder in seinem Auto nachmachen). Mike Myers zeigt hier schon, wofür wir ihn später bei „Austin Powers“ noch mehr lieben werden – dass die Witze so gut funktionieren, liegt unter anderem daran, dass der Film wie eine Art Doku von Wayne’s Leben ist: er und sein Freund Garth sind die einzigen, die direkt in die Kamera sprechen dürfen. Der ganze Film wirkt dadurch tatsächlich wie von zwei kleinen Kindsmännern gemacht: Trickfilme werden kopiert, Serien werden zitiert (u.a. ein Vergleich zwischen Star Trek und Champagner), es wird schamlos Werbung gemacht und es treten eine Menge „Stars“ auf. Am besten von all den Mini-Cameos ist meiner Meinung nach Robert Patrick als Cop auf der Suche nach John Connor.

Wer auf Rock steht, wird „Wayne’s World“ lieben. Wer darauf steht, während des Filmguckens Rätsel zu lösen, wird „Wayne’s World“ ebenfalls lieben. „Wayne’s World“ ist Kult: sei es wegen der Musik, wegen Myers oder wegen seiner Machart. Alles funktioniert bestens, das Ganze bescherte uns noch einen zweiten Teil, in dem dann auch noch der Geist von Jim Morrison sowie Christopher Walken auftauchen. Für „Wayne“ waren sich die Stars – ob tot oder lebendig – nie zu schade. Hier ist der Platz an dem sich die Rocklegenden noch einmal selbst feiern konnten: Hendrix, Van Halen, Led Zeppelin… treten zwar nicht auf. Dafür versorgt uns Teil Eins mit Auftritten von Alice Cooper und Meat Loaf, während wir in Teil Zwei nicht einmal würdig genug sind für Aerosmith. Rock’n’Roll lebt noch – und dass „Wayne’s World“ in den 90er so erfolgreich war, verdeutlicht nur noch mehr, dass Rock’n’Roll nie sterben wird (dafür Gott sei Dank aber der ganze Techno-Pop-Müll der 90er).

Wertung: 8 von 10 Punkten (mit den Worten von Wayne: „Exzellent!!!“)

P.S.: Trauriges Filmwissen zum Film: Während Mike Myers sich durch seine weiteren Rollen zu hohem Bekanntheitsgrad hochgearbeitet hat, muss sein „Wayne’s World“-Kollege Dana Carvey aufgrund von einer Arterien-Verwechslung während einer Herz-Op nun mit den Folgen leben und ständig um sein Leben fürchten.

8 Kommentare leave one →
  1. 23. September 2009 08:37

    Habe den Film vorgestern auch in Auszügen gesehen: Kult! Den Soundtrack habe ich damals rauf und runter gehört. Grandios ist auch die Szene mit Foxy Lady. 😉

    Ja stimmt, tragisch, Dana Carvey ist ziemlich in der Versenkung. Schade. Vielleicht gibt es trotzdem irgendwann einen Waynes World Episode III.

    • 23. September 2009 08:52

      Der Soundtrack ist wirklich einfach Kult.

      Bei einem dritten Teil wäre ich, glaube ich, etwas skeptisch, würde ihn mir aber trotzdem ansehen. Aber ohne Dana Carvey wird es wohl keinen dritten Teil geben – wäre dann auch irgendwie nicht mehr „Wayne’s World“ ohne den langhaarigen Blonden 🙂

      • 23. September 2009 08:55

        So schlimm ist sein Gesundheitszustand? Ich höre das erste Mal von „Arterienverwechslung“. Dann besser nicht ohne ihn. Nein, und auch kein Animationsfilm. 😉

  2. 23. September 2009 09:04

    Dass mit der „Arterienverwechslung“ habe ich aus der TV-Movie. Was genau das ist – keine Ahnung, hört sich aber nicht gut an.

    Und um Gottes Willen kein Animationsfilm. Obwohl… da könnte man den ganzen Film noch wesentlich trashiger machen. Die wildesten „Dazed and Confused“-Träumereien (aber das haben sie in den Filmen auch gut ohne großartige Effekte hinbekommen)

    • 23. September 2009 09:30

      Apropos „Animationsfilm“ und District „9“ – schon was von Tim Burtons 9 gehört / gelesen? Nach Coraline sind meine Ansprüche dieses Jahr unheimlich gewachsen.

      • donpozuelo permalink*
        23. September 2009 09:51

        „Coraline“ habe ich bis jetzt noch nicht gesehen (nur das Buch gelesen).

        Zu Tim Burtons „9“ habe ich hier bei uns in Deutschland noch rein gar nichts gehört. Angeblich wurde der Film in den USA am 09.09.09 veröffentlicht.
        Trailer gibt’s HIER zu sehen. Der Film hört sich auf jeden Fall ganz gut an, auch wenn Tim Burton meines Wissens nach vorwiegend als Produzent tätig war.

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