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Aliens sind auch nur Menschen

21. September 2009

Ursprünglich wollten Produzent Peter Jackson und Regisseur Neill Blomkamp das Xbox-Spiel „HALO“ verfilmen. Dann gab es aber Geldprobleme und das Vorhaben wurde abgeblasen. Um sich nicht komplett von einander trennen zu müssen, entschied Jackson den Regie-Neuling Blomkamp dennoch weiter zu unterstützen. So entstand – auf der Grundlage von Blomkamps Kurzfilm „Alive in Joburg“ – der Science-Fiction-Film „District 9“.

„District 9“ ist ein Slum, in dem insektenähnliche Außerirdische („Shrimps“ genannt) seit 20 Jahren mitten in Johannesburg, Südafrika, hause müssen. Ein Sicherheits- und Militärunternehmen namens MNU (Multi-National United) sorgt dafür, dass die Außerirdischen in ihrem Teil bleiben. Dennoch kommt es immer wieder zu Übergriffen, Anschlägen und Morden. Es wird also entschieden, dass die „Shrimps“ umgesiedelt werden müssen. Damit wird der MNU-Mitarbeiter Wikus van der Merwe beauftragt. Sein Besuch im „District 9“ wird ihm dabei aber zum Verhängnis: er infiziert sich mit einer Flüssigkeit und wird langsam selbst zu einem der ungeliebten „Shrimps“. Für Wikus bricht eine Welt zusammen, für MNU dagegen offenbaren sich neue Möglichkeiten: die Waffen der Aliens lassen sich nur von diesen benutzen – Wikus kann sie nun auch verwenden und wird ein heißbegehrtes und gesuchtes Forschungsobjekt.

„District 9“ wurde in zahlreichen Kritiken hochgelobt. Allein die Tatsache, dass der Film im Land der Apartheid spielt, war für viele Kritiker schon Grund genug, diesen Film in höchsten Tönen zu loben. Dem stimme ich nur teilweise zu: der Anfang des Films macht den Apartheidsgedanken schon ziemlich deutlich: hier sehen wir den unmittelbaren Hass der Menschen auf die Aliens. Gewaltausbrüche und Hasstiraden fordern die Aliens auf zu gehen. Diese wiederum wissen aber nicht wo sie hin sollen und müssen sich ihrem Schicksal fast kampflos ergeben. Die Bilder von kleinen Aliens, die sich über Müllberge schleppen, erinnern nur zu sehr an ähnliche Bilder, die wir aus der Region kennen. Wikus und sein Kamerateam, das ihn anfangs durch „District 9“ begleitet, zeigen hier deutlich, wie mit den Aliens umgegangen wird: Verständnisprobleme werden ignoriert, keine Gnade wird gezeigt – hier wird sofort durchgesetzt, was geplant war, ohne sich im Geringsten um die Sorgen der Bewohner von „District 9“ zu kümmern.

Bis hier ist „District 9“ äußerst sehenswert. Die angebliche Dokumentation zeigt mehrere kurze Interviews, die die Geschichte über „District 9“ verdeutlicht und gleichzeitigt klar macht, welche Meinung die Menschen über den Slum mitten in ihrer Stadt haben. Zum Glück wird weitgehend auf die angeblich „dokumentarische“ Wackelkamera verzichtet und man hat tatsächlich ein Doku-Erlebnis – Interviews, Nachrichtenbeiträge, Reportage. Leider, leider hält sich das nicht sehr lange.

Ziemlich schnell entfernt sich der Film von seinem Dokumentationsstil und wird zu einem „normalen“ Spielfilm, der sich auf die Wandlungen des Wikus van der Merwe konzentriert: einst gegen die Aliens wird er nun selbst eins und muss den harten Alltag der fremden Besucher – Hass, Gewalt, Betrug – hautnah miterleben. Um zu überleben und eine Chance auf Rückverwandlung zu haben, verbündet er sich sogar mit einem der „Shrimps“ und verhilft diesem zur Flucht. Nach dem guten Beginn wird aus „District 9“ ein etwas durchschnittlicher Sci-Fi-Film, der am Ende im Kugelhagel etwas untergeht.

Die Bezeichnung als „intelligentester Science Fiction“ trifft meiner Meinung nach nicht zu. Dieser Titel ist und bleibt – bis jetzt – immer noch Robert Zemeckis‘ „Contact“ mit Jodie Foster vorbehalten. Wäre „District 9“ nicht vorab so hoch gelobt worden – oder hätte ich davon nichts mitbekommen – hätte mir der Film sicherlich besser gefallen. Aber wie das so ist mit hohen Erwartungen: sie können schnell zu Grunde gehen. „District 9“ fängt viel versprechend an und bleibt zwar spannend, aber ist irgendwie nicht mehr originell.

Da ich aber nur einer von vielen Kinogängern bin und der Film sich einige Möglichkeiten offenhält, prophezeie ich schon jetzt einen Teil 2 – leider.

Wertung: 6 von 10 Punkten (guter Sci-Fi mit sozial-kritischen Hintergedanken, die leider im Verlauf des Films etwas verloren gehen)

8 Kommentare leave one →
  1. 22. September 2009 07:58

    Meine erste Kritik zum Film, die ich lese. Vorab war ich etwas zwiegespalten, ob ich überhaupt noch Lust auf einen weiteren Aliens-landen-auf-der-Erde Film habe. Dachte, dass der sozialkritische Ansatz da einiges rausholen könnte. Aber die zweite Hälfte des Films liest sich genau so, wie man irgendwie dann doch befürchtet hat.

    • donpozuelo permalink*
      22. September 2009 15:22

      Naja, ein wenig anders als die gewöhnlichen „Aliens-landen-auf-der-Erde“ ist der Film schon. Immerhin landen die Aliens hier scheinbar ohne jeglichen Hintergedanken auf unserem Planeten. Die Probleme entstehen erst, wenn sie nicht wieder abhauen. Ab hier hört der Film allerdings auf ein Sci-Fi zu sein, sondern wird eher ein stinknormaler Action-Baller-Film.

      • 23. September 2009 08:39

        Aliens-landen-auf-der-Erde im weitesten Sinne. 😉 In einem anderen Blog war dann auch die Rede von der One-Man-Army Action im späteren Verlauf. Mhm, ja.

        • donpozuelo permalink*
          23. September 2009 09:58

          One-Man-Army-Action stimmt. Die wird teilweise noch unterstützt von dem „Shrimp“-Rekruten: so wechselt man auch mal zu einer „One-Man-One-Alien-Army“. Mehr ist dann da aber auch nicht.

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