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Der Fall Anna gegen ihre Eltern

19. September 2009

Anna („Little Miss Sunshine“ Abigail Breslin) verklagt ihre Eltern (Jason Patrick und Cameron Diaz). Der Grund: Anna ist ein Retortenbaby, dass nur „erschaffen“ wurde, um ihre an Leukämie erkrankte Schwester Kate (Sofia Vassilieva) am Leben zu halten. Als Anna ihre Niere spenden soll, verweigert sie und engagiert den Anwalt Campbell Alexander (Alec Baldwin in einer kleinen, aber feinen Nebenrolle).

„Beim Leben meiner Schwester“ von Regisseur Nick Cassavetes basiert auf dem gleichnamigen Buch. Dass ein Roman Pate für den Film war, merkt man gleich zu Anfang: alle Familienmitglieder werden in kurzen Episoden dargestellt: was sie denken und fühlen, etc. Leider führt Cassavetes diese durchaus interessante Idee der verschiedenen Perspektiven ab, um sich stärker auf die Rolle von Kate zu konzentrieren.

Ab hier wird aus dem Film ein richtiges Hollywood-Familien-Drama mit Heulgarantie. Anstatt sich mehr mit Anna zu beschäftigen, stürzt Cassavetes sich lieber auf die Schwester Kate. Wir erleben ausführlich ihre erste Liebe zu dem ebenfalls totkranken Taylor. Diese Liebesgeschichte ist zwar sehr gut in Szene gesetzt, lässt den Zuschauer aber den eigentlich Plot des Films vergessen. Wahrscheinlich aber sollen diese Zwischensequenzen aus Kates Leben deutlich machen, wie fragwürdig Annas Klage ist, wo sie doch ihre Schwester über alles liebt (wer hier jetzt genau aufpasst, errät die „überraschende“ Wendung des Films).

„Beim Leben meiner Schwester“ hat alles: Familiendrama, Gerichtsshow, Liebesfilm und Erklärungen zur Bewältigung des Todes. Alles in allem war mir das ein wenig zu viel. Bewundernswert war zwar Vassilievas Darstellung, aber mehr auch nicht. Der Film rutscht vom einem Klischee ins nächste, versorgt uns zusätzlich noch mit einem herrlich melancholischen Soundtrack und schönen Bildern vom Sonnenuntergang am Meer. Auch das Ende hätte man wesentlich früher (und damit etwas besser) platzieren können (es war so ein bisschen wie bei „Herr der Ringe“ – man denkt es ist jetzt vorbei, und dann geht es noch mal eine Viertelstunde weiter).

Cassavetes‘ Film hat mich nicht zu hunderprozent überzeugt. Meine weibliche Begleitung dagegen (und auch alle anderen Frauen im Kino) schon. Somit muss „Beim Leben meiner Schwester“ in die merkwürdige Kategorie „Frauenfilm“ eingeordnet werden (da würde er dann wohl auch 9 von 10 Punkten bekommen). Der Film hat Potenzial (vor allem durch das Buch), aber nutzt es nicht wirklich gewinnbringend ein und bleibt somit ein einziges Klischee ohne wirklichen Spannungsbogen, da man immer wieder abgelenkt wird (was wahrscheinlich nötig war, um nicht sofort zu wissen, worum es eigentlich geht).

Wertung: 5 von 10 Punkten (netter, aber auch etwas langatmiger Film, der seine eigentliche Hauptfigur aus den Augen verliert)

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