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Die Schöne und der Dicke

17. September 2009

Zugegeben, „King of Queens“ wirft von Anfang an ernste Fragen auf: Wie schafft es so ein Mann so eine Frau abzubekommen? Wieso besteht ihre Ehe fast immer nur aus Streit? Wie kann man ein so riesiges Haus besitzen, wenn man nur ein kleiner Paketlieferant und eine Sekretärin ist? Aber die wichtigste Frage lautet wohl: Was für eine Elektronik haben die im Haus, dass, wenn eine kleine Lampe angemacht wird, das Licht im Rest des Hauses auch angeht?

Fragen über Fragen, die wieder nur einmal deutlich machen, dass Sitcoms meilenweit vom wahren Leben entfernt sein können und trotzdem Spaß machen. Ich habe es gestern schon bei „Two and a Half Men“ gesagt, und ich sage es auch bei „King of Queens“: Das ist eine dieser Serien zum Abschalten und Ablachen.

Doug Heffernan (Kevin James) ist der „King of Queens“ und seine Königin heißt Carrie (Leah Remini) (nein, nicht Stephen Kings „Carrie“, obwohl das manchmal hinhauen könnte). Mein eigentlicher Favorit und somit der wahre King ist aber Carries Vater Arthur Spooner (Jerry Stiller). Ob man die Serie mit dem Untertitel: „Aus dem Leben eines Paketboten“ beschreiben könnte, weiß ich nicht – das muss jeder für sich entscheiden. Tatsache ist aber, es funktioniert herrlich. An und für sich finde ich ja, dass „King of Queens“ mehr eine Sketch-Show ist – Hauptsache, es passieren absurde Sachen mit witzigen Figuren: da haben wir die Eltern von Doug aus Florida, seinen besten Freund Deacon Palmer (die einzige Figur in der Serie, die tatsächlich durch schwerwiegende Eheprobleme gehen muss) sowie Dougs Cousin Danny und Dougs nerdiger Freund Spence, die im Laufe der Serie ein fragwürdige Beziehung eingehen (das man für einen Flachbildschirm auch mal einen Mann heiratet, zeigen uns die beiden Witzfiguren).

„King of Queens“ möchte mehr oder weniger „normal“ sein, und dank einer guten Besetzungsliste funktioniert das auch hervorragend. Kevin James ist sich für dumme Scherze nie zu schade und nutzt, was Gott (oder er sich selbst) gegeben hat: sein Talent für Komik und seinen dicken Bauch (der immer wieder Grund für die Komik ist). Mit dem Vater Arthur Spooner kommen Alkohol- und Drogenprobleme in die Serie, die so unterschwellig sind, dass man sie fast nicht als solche wahrnimmt (aber es ist so, egal wie man es dreht und wendet).

In „King of Queens“ (wie in jeder anderen Sitcom auch) lösen sich die meisten Probleme nach 20 Minuten auf. Schöneren Eskapismus kann man doch sonst kaum finden – einschalten und abschalten. Ein bisschen erinnert mich Doug Heffernan immer an Homer Simpsons: beide sind mit Nichtstun glücklich und manchmal wünschte ich mir, ich könnte wie sie einfach stupide in den Tag rein leben – ohne große Ambitionen einfach glücklich sein. Da wird man dann – wie jetzt – schon fast philosophisch, aber es macht auf eine gewisse Art und Weise auch glücklich. Irgendwie… keine Ahnung… egal…

Wie bei allen Serien kann ich „King of Queens“ nur im Original empfehlen. Normalerweise habe ich dafür nicht einen guten Beweis – jetzt aber schon: es ist die Folge, in der bei Doug und Carrie eine russische Firma Schimmelpilz entfernt. Eines Morgens kommen die beiden die Treppe herunter und finden niemanden vor. Carrie fragt, wo die Leute sind und Doug antwortet:

Auf Deutsch: „Vielleicht spielen sie noch ein bisschen Russisch-Roulette.“ 😦

Auf Englisch: ”Maybe they didn’t feel like rushin‘.” (Russian = rushin’) 😮 🙂

Nur ein kleines, aber wirkungsvolles Beispiel. Synchronisation ist schwere Arbeit, aber leider Arbeit bei der – gerade im Comedy-Bereich – immer viel zu viel verloren geht.

Ich kann es hier sagen: Ich liebe den „King“. Immer wieder mal wird eine Staffel rausgekramt und zwischendurch mal eine Folge geguckt. Egal wo man reinguckt, es ist immer genial komisch: ob nun Doug an der Striptease-Stange, Arthurs Mr. Safety oder Carries Versuche, ihre Sprache zu verbessern: jeder Charakter ist absolut liebenswert. Und: sollte mein Vater jemals bei mir im Keller wohnen, werde ich mir wohl auch einen „dog walker“ anschaffen. 🙂

Wertung: 9 von 10 Punkten (es lebe der „King“)

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7 Kommentare leave one →
  1. 17. September 2009 13:54

    Zumindest auf Deutsch hat mich die Serie nicht wirklich überzeugen können (das gelingt Sit-Coms im deutschen Fernsehen allerdings fast nie). Meinen Humor treffen der King und seine Untertanen meistens nicht, weswegen ich vom Kauf einer Box abgesehen habe – obwohl Kevin James tatsächlich toll auf die Rolle zugeschnitten ist!

    • donpozuelo permalink*
      17. September 2009 16:08

      Recht hast du. Sitcoms sind meist echt miserabel synchronisiert.

      Und ja, der King sagt wirklich nicht jedem zu. Ich kenne genügend Leute, die nichts mit ihm anfangen können. Mir macht er aber Spaß 🙂

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