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Durch die Blume gesprochen

14. September 2009

„Hana-Bi“ nennt man in Japan jährlich im Sommer stattfindende, öffentliche Feuerwerke: Feuerblumen („hana“ steht für „Blume“ und „bi“ für „Feuer“ – man kann das ganze wohl auch als Leben und Tod bezeichnen).

„Hana-Bi“ ist aber auch ein ausgezeichneter Film von Takeshi Kitano.

Der Polizist Nishi (Kitano selbst) hat eine unheilbar kranke Ehefrau, einen guten Freund, der durch eine Kugel im Rollstuhl gefangen ist und eine nicht weniger schöne und blutige Vergangenheit, die einem weiteren Kollegen das Leben kostete. Daher sorgt Nishi sowohl für die Witwe seines Kollegen, für seinen Freund Horibe und seine Frau.  Als Nishi vom Dienst suspendiert wird, leiht er sich Geld bei den Yakuza. Um das wieder zurückzahlen zu können, raubt er eine Bank aus, um anschließend mit seiner Frau im Schlepptau abzuhauen. Doch nicht nur die Polizei ist jetzt hinter ihm her, sondern auch die Yakuza – so einfach wird man die halt nicht los.

Um es mal gleich vorweg zu nehmen, ich finde Takeshi Kitanos Filme genial. Zu dieser Aussage kann man schon kommen, wenn man auch nur „Hana-Bi“ kennt. Kitano lässt uns auf Recht subtile Art und Weise an der Tragik seines Nishi teilhaben:

Zum einen ist Nishi einer der wortkargsten Typen überhaupt. Im ganzen Film redet der Mann vielleicht gerade mal 10 zusammenhängende Sätze. Aber das muss er auch nicht – sein Gesicht spricht Wände. Die Trauer und die Verzweiflung der Figur Nishi kommen so wesentlich besser zum Vorschein, als wenn wir ihn ständig reden hören würden. Ganz ehrlich, wenn ich durchgemacht hätte, was Nishi durchmacht, würde ich auch nicht mehr viel sprechen.

Gleichzeitig ist Nishi mit Horibe verbunden, der eigentlich Nishis Platz einnimmt und nur deswegen die Kugel einfängt. Die Lähmung macht Horibe zu einem einsamen Mann, der, von Frau und Kind verlassen, in seinem Rollstuhl sitzt und malt. Hier finden wir dann auch zahlreiche Bilder von Blumen wieder. In den Bildern Horibes kann man den stummen Schrei nach Normalität sehen: immer wieder taucht seine Familie darin auf – und wenn er sein letztes Bild „Selbstmord“ nennt und schließlich einen großen roten Farbklecks darauf setzt, ist klar, welchen Ausweg er für sich sieht.

„Hana-Bi“ ist ein schweigsamer Film und erinnert daher auch stark an die Filme des Koreaners Kim Ki-Duk, der – meiner Meinung nach – die Kunst des „Stummfilms“ in der heutigen Zeit noch viel stärker perfektioniert hat. „Hana-Bi“ folgt diesem Schweigen, was aber nur dazu beiträgt, dass dieser Film umso größer erscheint. Der Zuschauer muss viel mehr aus den Gesichtern der Figuren lesen, vielmehr auf die Bilder und die Musik im Hintergrund achten, um die Trauer, die Verzweiflung und die Schuldgefühle zu erkennen.

Allerdings lässt sich Kitano auch nicht lumpen, ordentlich Kunstblut fließen zu lassen, um uns in gut platzierten Rückblenden Nishis Vergangenheit näher zu bringen. Trotz der – für den Film durchaus notwendigen – Gewalt, die auch durch Nishis „Flucht“ abnimmt, ist „Hana-Bi“ ein geradezu poetischer Film, der allein durch die Bilder und einen Klasse-Soundtrack eine spannende, tragische und bewegende Geschichte erzählen kann.

Wer sich davon selbst überzeugen will, sollte Mittwoch, den 16.09.2009, um 23:15 arte einschalten (der Tipp kam wie immer von Benno, der – Gott sei Dank – jede Woche alle sehenswerten Filme zusammenfasst – vergesst also die Fernsehzeitungen J). Wer danach noch Lust auf mehr hat, dem empfehle ich „Kikujiros Sommer“ oder „Dolls“. Für Freunde des etwas fieseren Takeshi Kitano gibt es da noch seinen harten Yakuza-Thriller „Brother“ oder „Battle Royale“, in dem er aber nur eine Rolle vor der Kamera einnimmt.

Wertung: 9,5 von 10 Punkten (stilles Meisterwerk, das richtig zündet)

6 Kommentare leave one →
  1. 14. September 2009 10:33

    Danke! Ich bin ja immer im Zweifel, ob die TV Tipps nicht etwas arg nerdig sind. 😉

    Bei Hana-Bi muss ich immer weinen. Aber das habe ich wahrscheinlich schon erwähnt.

    • donpozuelo permalink*
      14. September 2009 11:12

      Wegen der TV Tipps musst du keine Zweifel haben. Die ersparen mir zumindest die Suche.

      Das Weinen selbst hast du, meiner Meinung nach, nicht erwähnt. Aber da gebe ich dir vollkommen Recht.

  2. Owley permalink
    22. Februar 2012 01:42

    Damit wäre dann auch meine Frage, ob Hana-Bi sehenswert ist, kompetent beantwortet. Danke. 🙂

    • donpozuelo permalink*
      22. Februar 2012 08:49

      Unbedingt!!!! Wie gesagt, eigentlich ist fast alles von Kitano sehenswert.

Trackbacks

  1. Film-ABC « Going To The Movies

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