Zum Inhalt springen

Alles Blau

10. September 2009

„Blue Steel“ ist Kathryn Bigelows dritter Film überhaupt und schon da zeigt sie, dass sie etwas andere Wege im Action-Genre geht. Immerhin stellt sie eine Frau in den Vordergrund und macht sie zur Heldin:

Die Polizistin Megan Turner (Scream-Queen Jamie Lee Curtis) hat ihren ersten Arbeitstag und erschießt schon einen Räuber in einem kleinen Supermarkt. In dem Laden befindet sich zu dem Zeitpunkt auch der Finanzberater Eugene Hunt, der sich klammheimlich mit der Waffe des Räubers aus dem Staub macht und so Megan zur Zielscheibe interner Untersuchungen macht, weil niemand an eine wirkliche Notwehrsituation glaubt. Verschlimmert wird die Situation der jungen Polizisten, als plötzlich Menschen erschossen werden und am Tatort Patronenhülsen mit Megans Namen zu finden sind. Megan wird als Lockvogel für den Fall benutzt und trifft dabei selbst auf Eugene – leider bemerkt sie viel zu spät, dass er der Mörder ist.

„Blue Steel“ zeigt uns einen etwas anderen Polizei-Film, der sich weniger an den harten Kerlen orientiert, sondern eine etwas unsichere, aber ambitionierte Frau in den Mittelpunkt stellt. So richtig will das aber nicht zünden – Jamie Lee Curtis spielt zwar sehr gekonnt die Frau inmitten von Männern, die alle in irgendeiner Art und Weise über sie bestimmen wollen – eine Kritik am System oder am Kampf der Geschlechter wird aber nicht ersichtlich.

Vor allem die Figur des Eugene Hunt (sehr gut gespielt von Ron Silver) hatte für mich wenig Tiefe. Er stiehlt anfangs die Tatwaffe ohne einen ersichtlichen Grund. Später im Film wird zweimal deutlich, dass er scheinbar psychisch gestört ist und möglicherweise Stimmen hört, aber das wird nicht weiter verfolgt. Der Zuschauer muss sich damit abfinden, dass der Besitz der Waffe Hunt ein gewisses Macht- und Stärkegefühl verleiht, mit dem er nicht umgehen kann. In Megan Turner sieht er – aufgrund der Erschießung des Räubers – eine verwandte Seele und wird so zu einem gemein-gefährlichen Stalker.

„Blue Steel“ ist ein guter Film, wenn auch mit einigen Tiefs, die zum Glück durch ein furioses Ende in Blut ertränkt werden. Bigelows Film ist aber insgesamt ein optisch eindrucksvoll fotografierter Film: allein die Opening Credits vermischen gekonnt Erotik und Gewalt (so langsam wie die Kamera da um die Waffe und um Jamie Lee Curtis fährt kann nur als erotisch gesehen werden). Und die Regisseurin bleibt der titelgebenden Farbe treu: ob es nun die blauen Uniformen oder die blauen Polizeiwagen sind, der Film trägt immer etwas von einem unterkühlten Blau mit sich – da der Film größtenteils Nachts spielt sind selbst einige Szenen in Blau gehalten und geben den Figuren kaum einen Platz für Wärme. Und wenn mal etwas Wärme zustande kommt, ist sie bedroht von etwas, dass anfangs nur der Zuschauer sieht.

„Blue Steel“ erweist sich zwar als ein guter Action-Film, hat mich persönlich aber nicht vom Hocker gerissen, das lag vor allem daran, dass die Figur des Bösewicht nicht genug in seinem Handeln erklärt wurde.

Ich habe schon im Artikel zu „The Hurt Locker – Tödliches Kommando“ von Bigelow geschwärmt und dabei bleibe ich. Dass die Frau ihr Handwerk versteht, zeigt sie in jedem Film mehr. Der Nachfolger zu „Blue Steel“ war dann „Point Break – Gefährliche Brandung“, der mir bis jetzt immer noch am besten gefallen hat. (Vielleicht grabe ich ihn für euch dieses Wochenende mal aus und lasse euch an meiner Begeisterung für diesen Film teilhaben, denn hier zeigt Bigelow, dass sie wirklich DIE Action-Frau Hollywoods ist)

Wertung: 6 von 10 Punkten (optisch sehr gelungen, die Story schleift etwas)

4 Kommentare leave one →
  1. 22. Oktober 2012 12:03

    😉

    • donpozuelo permalink*
      22. Oktober 2012 13:13

      Darf ich dieses 😉 jetzt so auffassen, dass du den Film kennst? Oder das du jetzt total Bock hast, dir diesen absurden geilen Scheiß (da ist es wieder!!!) anzugucken?

      • 22. Oktober 2012 13:15

        Ist eine Reaktion auf deine Reaktion bei meiner Reaktion auf den Film.

        • donpozuelo permalink*
          22. Oktober 2012 13:17

          Ich sehe auch gerade, dass wir hier bei „Blue Steel“ sind. Dachte, dein Kommentar wäre zu „Detention“! Mein Fehler!!! Jetzt verstehe ich natürlich dein 😉

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: