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Hallo Fremder

7. September 2009

Mit diesen Worten beginnt der Film „Hautnah“ von Mike Nichols (Regisseur von „Die Reifeprüfung“). In seinem Film lässt Nichols zuerst Natalie Portman auf Jude Law los, um diesen dann wenig später auf Julia Roberts zu jagen, die dann schließlich an Clive Owen hängen bleibt. Zu verwirrende Beschreibung??? Ich versuch’s besser:

Alice (Portman) und Dan (Law) treffen sich eher zufällig und verlieben sich ineinander. Ein Jahr später ist Dan dabei ein Buch zu veröffentlichen und wird deswegen von der Fotografin Anna (Roberts) porträtiert. Schon bei diesem ersten Treffen ist Dan Feuer und Flamme für Anna und will sie (trotz seiner Beziehung zu Alice) haben. Weil sie ihn abblitzen lässt, rächt Dan sich bitter und gibt sich in einem Internet-Sex-Chat als Anna aus und flirtet so ziemlich heiß und noch schmutziger mit dem Arzt Larry (Owen), der sich darauf hin mit Anna trifft. Ab hier wird es noch komplizierter, denn Dan ist immer noch hinter Anna her – selbst als sie schon lange mit Larry zusammen ist. Der heiratet Anna schließlich sogar, doch selbst das hält sie nicht davon ab, doch eine Affäre mit Dan einzugehen…

Ich kürze jetzt hier mal ab und sage nur soviel: In diesem Film hat jeder was mit jedem (selbst die Männer, wenn man bedenkt, dass sie sich gegenseitig im Chat mit Cyber-Sex heiß machen). Nichols „Hautnah“ wirft einen ziemlich drastischen, zynischen Blick auf die Liebe und ihre zahlreichen Wirrungen. Dabei wird jeder zum Spielball der Gefühle, jeder wird betrogen und belogen. Schön anzuschauen ist dabei vor allem Dan, der zwar selbst ein (Liebes-)Betrüger ist, aber es nicht ausstehen kann, nicht zu wissen, ob es jemals etwas zwischen Alice und Larry gab. Larry hingegen ist ein herrlich fieses Arschloch, der schamlos mit den Gefühlen aller Beteiligter spielt und mit Hilfe von Schuldgefühlen kriegt was er bekommt.

Man könnte natürlich bei einem Film mit derart großen Namen arg ins Zweifeln geraten, aber ihr könnt versichert sein: in „Hautnah“ funktioniert alles hervorragend. „Hautnah“ ist zudem ein Film, der sich nur vollends durch die Dialoge erschließt (das gilt im Besonderen für die teilweise erheblichen Zeitsprünge, die gemacht werden, aber nicht besonders getrennt dargestellt werden). Dafür bieten die Wortgefechte der Protagonisten ordentlich Zündstoff – besonders als Larry Anna verhört, nachdem sie ihm gesteht, dass sie eine Affäre mit Dan hatte (so böse Worte habe ich in diesem Hochglanz-Film gar nicht erwartet). Dass vor allem die Dialoge so stark wirken, liegt aber wohl eher daran, dass das Drehbuch nach dem gleichnamigen Theaterstück von Patrick Marber geschrieben wurde – und Theater sollte in der Beziehung ja mehr aufzuweisen haben.

Und ein Hochglanz-Film ist es wohl auch trotz all dem: schöne Menschen im Liebes-Chaos. Das mag für viele vielleicht albern sein, aber es ist dennoch ein ziemlich witziger, spannender und vor allem auch ein sehr zynischer Film geworden, der entgegen aller meiner Erwartungen doch kein Liebesdrama im herkömmlichen Sinne ist: kein Friede, Freude, Eierkuchen – sondern Misstrauen ohne Ende, wo eigentlich Vertrauen sein sollte.

An und für sich findet hier jeder was für sich: Natalie Portman zeigt uns unter anderem ihre hervorragenden Strip-Künste (ob es deswegen die Nominierung als beste Nebendarstellerin gab – nein natürlich nicht); Clive Owen beweist wieder einmal mehr, dass er in der Rolle des „fiesen, durch gebrühten Arschlochs“ auch hervorragend ist (ebenfalls eine Oscar-Nominierung als bester Nebendarsteller). Die Frauen können sich an Jude Law satt sehen und ja… für alle, die mal wieder einen richtig guten „Liebesfilm“ sehen wollen, ist der Film auch etwas.

Wertung: 9 von 10 Punkten (so tiefgründig und doppelzüngig wie über Liebe nur geredet werden kann)

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