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Wenn der Schwanz mit dem Hund wedelt…

5. September 2009

… dann ist das die witzigste und bissigste Polit- und Mediensatire, die ich bis jetzt kenne: „Wag The Dog“ von Barry Levinson.

Kurz vor den Wahlen passiert dem Präsidenten der USA ein kleines „Missgeschick“ und eine junge Schülerin beschuldigt ihn der sexuellen Belästigung. Um dennoch bei den Wahlen wiedergewählt zu werden, fährt man deswegen schwere Geschütze auf: Conrad Brean (Robert DeNiro) soll die Lage innerhalb von 11 Tagen wieder richten. Und wie vertuscht man einen Sexskandal? Man beginnt einen Krieg. Zusammen mit dem Hollywood-Produzenten Stanley Motss (Dustin Hoffman) führt Breans im Namen des amerikanischen Volkes Krieg gegen Albanien – inklusive einem stilisierten Opfer, einem wahren Helden hinter feindlichen Linien sowie einem Song. Ein echter falscher Krieg halt!

„Wag The Dog“ ist ein extrem witziger Film, macht mich aber jedes Mal, wenn ich ihn sehe, echt nachdenklich. Denn obwohl wir es bei diesem Film mit einer Fiktion zu tun haben: Wer sagt, dass es nicht genauso sein könnte? „Wag The Dog“ sollte den einen oder anderen sensibilisieren. In einer Zeit, in der fast alles, was wir aus der Welt wissen, durch die Medien serviert wird, sind wir vielleicht etwas leichtgläubig geworden. Aber wie könnte man es auch nachweisen? Wir sehen nur die Bilder in den Nachrichten, sehen Fotos in den Zeitungen – mehr nicht. Kaum einer von uns kann nachweisen, was wahr ist und was nicht.

Und genau das machen Motss und Brean in „Wag The Dog“: eine Fiktion Wirklichkeit werden lassen. Immer wieder sagt Brean: „Ich habe es im Fernsehen gesehen, also ist es wirklich passiert.“ Ein nur zu passender Spruch. Jetzt können natürlich alle Verschwörungstheoretiker kommen und sagen: „Siehst du, und deswegen waren die Amerikaner auch nicht auf dem Mond.“ Aber egal, wie man sich diesem Film nähert, es wirkt erschreckend. Erschreckend real.

Aber „Wag The Dog“ ist in erster Linie halt eine Polit-Satire, die sich vor allem damit befasst, dass Politik durch die Medien entschieden wird. Denn nur durch TV und Zeitungen ist der „Normalo-Amerikaner“ informiert und schluckt halt brav alles, was man ihm vorsetzt.

Es macht einfach Spaß, Motss und Brean dabei zuzusehen, wie sie das Spektakel inszenieren: von den ersten Gerüchten über die ersten (im Studio gefertigten) Bilder aus Albanien bis zum Song für den Helden. Hoffman und DeNiro bilden dabei ein gutes Pärchen – der stets gefasste, durch nichts aus der Ruhe zu bringenden DeNiro und der vor Ideen nur strotzende Hoffman spielen sich gekonnt die Bälle zu.

Im Gegensatz zu seiner Hollywood-Satire „Inside Hollywood“ zeigt Levinson hier, was man unter einem satirischen Film wirklich zu verstehen hat. Witzig, aber immer auch mahnend gewährt uns Levinson einen Blick hinter die Kulissen und sagt uns: „Glaubt nicht immer alles, was ihr seht.“ Die etwaigen Parallelen der Geschichte zu einem gewissen Herrn Clinton und einer gewissen Praktikantin stechen deutlich hervor, interessanterweise wurde der Film aber vor der „Lewinsky-Affäre“ fertiggestellt. Entweder hatten die Autoren eine kleine Kristallkugel oder aber Clinton hat sich „inspirieren“ lassen.

Wertung: 9 von 10 Punkten (spätestens nach diesem Film sollte man auch die „Tagesschau“ mit anderen Augen betrachten)

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