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In wilder Freiheit

30. August 2009

Christopher Johnson McCandless war ein erfolgreicher Student aus reichem Haus. Ihm stand die Welt offen und vor allem seine Eltern hegten große Erwartungen für die Zukunft ihres Sohnes. Aber Christopher hatte andere Pläne: nach dem Uniabschluss verbrannte er sein Geld, zerschnitt seine Identität mit der Schere und wurde Alexander Supertramp und machte sich auf den Weg quer durch Amerika bis nach Alaska, wo er in einem alten Bus mitten im Nirgendwo der Natur trotzte solange er konnte.

Christopher McCandless ist (besser: war) eine reale Person. Jon Krakauer schrieb über diesen jungen Aussteiger und 2007 zeigte uns Sean Penn seine Sichtweise auf den jungen Mann. Und schafft dabei einen ungemein packenden Film – „Into The Wild“.

Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll: Wahrscheinlich am Anfang:

Zuerst ist „Into The Wild“ ein atemberaubend schöner Film. Zusammen mit Emile Hirsch (als McCandless) bereisen wir die USA. Kraftvolle Naturbilder lassen uns dabei für ein paar Augenblicke vergessen, dass es sich hierbei um einen Menschen handeln soll. Penn zeigt uns die Natur der USA von seiner schönsten und faszinierendsten Seite. Dazu gehört dann ein Soundtrack, denn man für so einen Trip nicht besser hätte wählen können (nur: wer im Einklang mit der Natur leben will, hat keinen Platz für seinen iPod – schade eigentlich).

Aber mit genau diesen Bildern führt Sean Penn uns von Anfang an ein wenig an der Nase herum. Erst im unausweichlichen Moment seines Sterbens kommt McCandless die Erleuchtung – quasi die eigentliche Moral seiner Reise:

Happyness is real when shared.“

Plötzlich müssen wir erkennen, dass es Penn nicht nur darum ging, einen „Naturfilm“ zu drehen. Eigentlich ist die Natur nur schmückendes Beiwerk für die verwirrte Figur des jungen Aussteigers. Eigentlich auf der Flucht vor der „bösen Gesellschaft“ (a.k.a. seine Eltern), lernt er auf seinen Reisen unzählige Menschen kennen: den Farmer Wayne (Vince Vaughn), das Hippie-Pärchen Jan und Rayne sowie seine (möglicherweise) große Liebe Tracy (Kristen Stewart – ja, die „Twilight“-Tante) oder den alten Rentner, der ihn in die Lederverarbeitung einführt. Alle diese Menschen bringen Chris auf seiner Reise ein bisschen Glück in sein Leben und doch läuft er bei der ersten Gelegenheit davon, um sein großes Abenteuer Alaska zu leben.

Hier stellt sich natürlich die Frage: Sollen wir ihn bewundern oder nur mit dem Kopf schütteln? Einerseits bewundere ich ihn dafür, dass er seinen Plan nie aufgegeben hat, andererseits kann man nur mit dem Kopf schütteln. Dieses Kopf-Schütteln erkennt er dann selbst und doch ist es zu spät (eine weitere wichtige Lehre, die der geneigte Zuschauer daraus zieht, ist: Wer in der Wildnis leben will, sollte gründlich vorbereitet sein!!!)

„Into The Wild“ kann ich dennoch nur weiterempfehlen. Es ist ein wirklich hypnotischer Film, der vor allem von den ruhigen Naturbildern und der starken Darstellung Hirschs lebt. Aber auch bis in die letzte Nebenrolle funktioniert der Film auf allen Ebenen. Und wer überhaupt nichts mit dem Thema anfangen kann, der sollte stumm stellen und einfach nur die tollen Naturaufnahmen genießen. Da bekommt man dann fast selbst Lust, alles aufzugeben – aber eben nur fast.

Wertung: 9 von 10 Punkten (große Naturbilder mit philosophischem Hintergrund)

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