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Bollywood meets The Godfather

28. August 2009

Die meisten verbinden mit dem Wort „Bollywood“ ja die tränenverseuchten Liebesschnulzen, die bei RTL II (dank Werbung) über vier Stunden laufen, die uns schöne Menschen im Liebeswirwarr präsentieren und uns mit Gesang und Tanz den letzten Rest geben. Wer sich mal etwas abseits des üblichen Bollywood-Klischees umsehen will, für den zeigte arte am Mittwoch „Maqbool – Der Pate von Mumbai“ (natürlich zur besten Sendezeit um 23:40 Uhr, weswegen ich meinen Videorekorder programmiert habe und ihr erst jetzt etwas darüber lesen könnt).

Die Mafia von Mumbai wird vom mächtigen Abbaji geführt, der überall seine Finger im Spiel hat, wo Macht missbraucht werden kann – also vor allem in der Politik und im Filmgeschäft der Stadt. An seiner Seite ist sein engster Vertrauter Miyan Maqbool, der von Abbaji wie ein Sohn groß gezogen wurde. Aber wie sooft bei dieser Art von Film steht eine Frau zwischen dem perfekten Glück innerhalb der Mafia – Nimmi, die Geliebte von Abbaji. Sie liebt Maqbool und verführt ihn. Nachdem Nimmi und Maqbool ihre Affäre beginnen, fangen sie an Pläne gegen Abbaji zu schmieden – hier beweist Nimmi ihre besondere Fähigkeit eine gemeine Schlange zu sein, die Maqbool dazu bringt, seinen Mentor und Ziehvater umzubringen, um so selbst an die Macht zu kommen. Doch mit dem neuen Führer der Mafia tauchen neue Probleme auf – denn schnell wird klar, dass nicht alle Maqbool als den großen Helden ansehen, als der er sich präsentiert.

Regisseur Vishal Bhardwaj verfilmt hier großzügig William Shakespeares „Macbeth“ und bringt dabei das Kunststück fertig sowohl etwas Bollywood-Mainstream als auch etwas Bollywood-Untypisches in den Film mit einfließen zu lassen.

Der Film beginnt sehr ruhig. Am Anfang finden wir sogar noch die obligatorischen Gesangseinlagen (ohne Tanz) und die noch viel wichtigere Hochzeitsfeier (jetzt mit ein wenig Tanz). Hier sind die Frauen noch wunderschön, die Familie (oder Mafia) wird geehrt – alles wird in wunderschön ästhetischen Bildern eingefangen und uns mit zauberhafter Musik dargeboten. Um die Mitte des Films ändert sich das aber rapide mit der Ermordung Abbajis. Nun ist „Maqbool“ ein dunkler Film, mit Figuren, die an ihren Taten verzweifeln und somit Mord und Totschlag mit sich bringen. Hier vermissen (wirklich???) wir jeglichen Gesang und Tanz – stattdessen entwickelt sich „Maqbool“ nun endlich zu einem harten Mafia-Film. Diesen Wandel haben wir dann aber wohl eher Shakespeare zu verdanken, dessen Tragödien ja meist in einem Blutbad enden.

„Maqbool“ erweist sich als Film, bei dem Männer mit stolzgeschwellter Brust behaupten können, sie hätten einen Bollywood-Film gesehen. „Der Pate“ lässt grüßen, und auch wenn dieser indische Film nicht an das Original herankommt, bietet er dennoch ein tolles Schauspiel.

Für alle, die sich davon vielleicht selber noch mal überzeugen wollen, sollten den Videorekorder (oder den Festplattenrekorder) auf Donnerstag, den 03. September programmieren. Da wiederholt arte den Film um 00:30 für alle Nachteulen (HINWEIS: arte sendet den Film als OmU)

Wertung: 8 von 10 Punkten (guter Anti-Bollywood-Film aus Bollywood)

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