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High Noon auf Japanisch

24. August 2009

Ich finde es beeindruckend, dass ich bei Kurosawa bis jetzt noch keinen Film gefunden habe, den ich nicht mag. Noch beeindruckender ist es aber, welchen Einfluss der Mann wieder und wieder mit seinen Filmen ausgeübt hat: Ob es nun die Idee ist, eine Geschichte aus vier Perspektiven zu erzählen („Rashomon“) oder die Erschaffung des Actionfilms („Die Sieben Samurai“). Aber nicht nur im Bereich des persönlichen Einflusses hat Kurosawa einiges zu bieten – die zahlreichen Remakes braucht man ja gar nicht mehr aufzählen. Am schönsten fand ich aber immer noch die fast Eins-zu-Eins-Übersetzung von „Die Verborgene Festung“ zu Lucas‘ „Star Wars“.

Jetzt habe ich mir „Yojimbo – Der Leibwächter“ angeschaut. Und hier gelingt Kurosawa ein doppelter Coup: Zum einen kopiert er selbst mal und übernimmt Elemente aus amerikanischen Western. Zum anderen schafft er die Grundlage für den etwas fieseren Italo-Western.

In „Yojimbo“ verfolgen wir einen fremden Samurai, der sich selbst Sanjuro nennt (der Nachname ergibt sich dann aus den Pflanzen, auf die Sanjuro gerade schaut). Dieser kommt in ein kleines Dorf, in dem ihm schon die Hunde mit abgetrennten Händen im Maul verraten, dass hier etwas nicht in Ordnung ist. Sanjuro kommt in einem kleinen Sake-Häuschen bei dem alten Gon unter, der ihn über die Verhältnisse in der Stadt aufklärt: zwei Familien bekämpfen sich gegenseitig – die Seibei und die Ushi-Tora. Sanjuro sieht sich im Glück und beginnt – auf der Suche nach Geld – für beide Familien zu arbeiten und sie gegeneinander auszuspielen.

Mit der Rolle des „Namenlosen Fremden“ wurde später Clint Eastwood berühmt. Vorgemacht hat es ihm aber Toshiro Mifune (wieder mal mit dabei), der hier zwar statt der Zigarre einen Zahnstocher im Mundwinkel hat, aber im Grunde bleibt die Figur genau so bestehen. Der Italo-Western übernimmt ja auch die Thematik der sich bekämpfenden Clans, Familien, etc., die am Ende durch den Fremden ausgelöscht werden. Aber nicht nur Kurosawas Einfluss auf den Italo-Western wird deutlich, auch der Einfluss des „normalen“ Western auf Kurosawa ist klar zu erkennen:

Allein das Dorf sieht schon aus wie ein klassisches Western-Städtchen. Es fehlt zwar eine vollbusige Bardame, aber auch der „Saloon“ als erste Anlaufstelle des „Helden“ ist vorhanden. Witzig fand ich dann, dass der allererste Kampf der Rivalen pünktlich um „12 Uhr mittags“ stattfand. Aber auch viele Einstellungswahlen – gerade in Bezug auf den „Helden“ – zeigen, dass der Meister sich scheinbar gerne Western angeschaut hat. Was wohl auch daran gelegen haben mag, dass sein bis dahin größter Erfolg selbst ein Western-Remake nach sich gezogen hatte.

Kurosawa zeigt sich in „Yojimbo“ auch – wie ich finde – erstmals von einer noch brutaleren Seite. Hier fließt das Blut, hier wird zerstückelt und verstümmelt – eine Brutalität, die nur noch durch die Gier der Familien getoppt wird, die sich mehr und mehr in ihren Machtgelüsten verlieren. Das widerum ist natürlich gut für den Ronin, der so immer mehr Geld für sich selbst anhäuft.

„Yojimbo“ ist einfach nur ein spannender Western-Samurai-Film, in dem Kurosawa endlich auch mal einen Gegner für Mifune bietet, der mir gefallen hat: Tatsuya Nakadei spielt Unosuke, Sohn von Ushi-Tora, der dem Fremden von Anfang an misstraut. (Unosukes wahre Stärke liegt – der Western lässt grüßen – in einem Revolver, den er immer wieder zum Vorteil gegen die schwertschwingenden Gegner verwendet.)

Also: allen (Italo-) Western-Fans kann ich diesen Film nur empfehlen. Wer denn mit Schwarz-Weiß und Samurais gar nicht anfangen kann, der sollte sich Walter Hills „Last Man Standing“ mit Bruce Willis anschauen – das ist nämlich das einzige offiziell autorisierte Remake von „Yojimbo“. (Sergio Leones „A Fistful of Dollars“ gilt zwar allgemein als erstes Remake – es war aber aufgrund rechtlicher Probleme nie offiziell.)

Wertung: 9 von 10 Punkten (herrlich fieses Spektakel)

PS: Ein Jahr später schuf Kurosawa mit „Sanjuro“ eine Fortsetzung zu „Yojimbo“.

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