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Krieg ist eine Droge

21. August 2009

Es gibt da eine Frau, die es in den 90er Jahren schaffte, als Frau hervorragende Actionfilme in Hollywood zu drehen (was in dem Boys-Club schon eine Seltenheit ist). Unter diesen Filmen befinden sich u.a. „Blue Steel“, „Gefährliche Brandung“ (mit Keanu Reeves und Patrick Swayze – sehr zu empfehlen) oder „Strange Days“. Die Rede ist hier von Kathryn Bigelow, die einzige nennenswerte Action-Regisseurin Hollywoods. 2002 ging sie mit dem Film „K-19 – Showdown in der Tiefe“ mächtig unter und es wurde still um sie.

Jetzt, sechs Jahre später, wagt sie ihr Comeback. 2008 wurde ihr Film „The Hurt Locker“ (dt. Titel ist beschissen wie immer: „Tödliches Kommando“) beim Venice Film Festival das erste Mal vorgestellt und ist nun seit einer Woche auch bei uns im Kino.

„The Hurt Lockers“ verfolgt eine Trio Bombenentschärfer quer durch Bagdad. Führer der Gruppe ist William James, ein unerschrockener Draufgänger, der bei jeder Gelegenheit den Adrenalin-Kick sucht – für ihn ist der Krieg wie eine Droge, die er immer wieder braucht. Zusammen mit den Soldaten Eldridge und Sanborn kämpft James sich durch das Chaos und die Fremde Bagdads.

„The Hurt Lockers“ hat keine wirkliche Story-Line. Es werden keine fiktiven Gruppen gejagt oder sonstiges. Es geht einfach nur um die letzten 38 Tage bis zur Ablösung – Bigelow präsentiert den Film daher in mehreren Episoden aus dem Leben der drei Soldaten. Und das Leben im Krieg bietet nicht viel – der eine ist kaum aufzuhalten, der andere (Eldridge) hat ständige Angst vorm Sterben, während der dritte im Bunde die einzige halbwegs ruhige Konstante ist. „The Hurt Lockers“ spiegelt Krieg in seinen „langweiligen“ und seinen „aufregenden“ Momenten wieder – mal wartet der Zuschauer mit den Protagonisten auf nichts und wieder nichts, und mal stecken wir mittendrin in Blut und Staub.

Bigelows Film ist kein action-orientierter Kriegsfilm und dadurch wirkt er realistischer. Sie zeigt uns, dass Machogehabe der Gis und die Geschichten, die dahinter stecken. Sie zeigt Amerika im Krieg gegen Gegner, die oftmals nicht zu erkennen sind – weswegen man trotzdem erst einmal einfach drauf ballern sollte.

Gedreht wurde das Ganze tatsächlich im Nahen Osten – in Jordanien. Insgesamt kam das Team auf 200 Stunden Filmmaterial, weil oft mehrere Teams gleichzeitig drehten. Enormer Aufwand also, daraus einen packenden Film zu drehen, der sowohl den dreckigen Kriegsalltag als auch das Innenleben der Soldaten näher beleuchtet.

Bigelows „The Hurt Locker“ ist für mich einer der besten Kriegsfilme seit langem. Schade nur, dass der bei uns – aufgrund von bescheidener Vermarktung – kaum zur Geltung kommt. Vielleicht liegt es daran, dass es niemand Bigelow zugetraut hat, ausgerechnet mit einem Kriegsfilm ein gutes Comeback zu starten. Daher fehlen auch weitgehend große Namen in der Produktion. Die wenigen bekannten Schauspieler, die mitspielen, verschwinden schnell wieder: Guy Pearce wird gleich zu Anfang durch eine Explosion in wunderschöner Slow-Motion getötet (für ihn taucht dann William James auf). Ralph Fiennes wird durch einen Scharfschützen danieder gestreckt und Evangeline Lilly (unsere „LOST“-Kate) taucht auch nur kurz als Frau von James auf. Alle anderen sind mehr oder weniger No-Name-Schauspieler.

Das macht aber alles nichts. „The Hurt Locker“ ist ein genial guter (Anti-) Kriegsfilm, der versucht, äußerst realistisch mit den Ängsten und Gefühlen der Soldaten umzugehen. Und: das wichtigste dabei ist, Bigelow verzichtet auf großen Pathos. Nirgendswo wird auf irgendeine Art und Weise Partei ergriffen – Bigelow verzichtet (Gott sei Dank) auf wehende Flaggen im Wind in Großaufnahme oder was wir sonst so aus amerikanischen Kriegsfilmen kennen.

Wertung: 9 von 10 Punkten (starkes Comeback einer Action-Frau)

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