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Schlechter Verlierer

15. August 2009

Um gleich Verwirrungen zu vermeiden, hier geht es um den Film „Election“ von Johnny To aus dem Jahr 2005, nicht um den gleichnamigen Film von Alexander Payne mit Matthew Broderick und Reese Witherspoon (obwohl es in beiden um Wahlen geht).

Johnny Tos „Election“ spielt zu einer schwierigen Zeit für die Triaden Hong Kongs. Ein neuer Anführer muss gewählt werden. Der große Anwärter Big D verliert überraschend gegen seinen schwächeren Konkurrenten Lok. Big D erweist sich als schlechter Verlierer und zettelt einen Kleinkrieg innerhalb der Triade an, um an das Drachenkopf-Zepter zu gelangen – ein altes Stück Tradition, dass nur dem wahren Anführer der Triade zusteht.

Johnny To präsentiert uns keinen gewöhnlichen Triaden-Mafia-Film. Tos Triade ist eine Demokratie, die verzweifelt damit zu kämpfen hat, die Tyrannei eines Mannes zu verhindern. Selbst die Polizei muss schnell erkennen, dass die Ordnung in Hong Kong mit den Triaden steht und fällt. Und so werden die Verhandlungen dann auch noch im Gefängnis begonnen. Gleichzeitig dazu entbrennt draußen aber ein harter (und zugegeben teilweise sehr wirrer) Kampf um das Drachenkopf-Zepter.

„Election“ zeigt organisiertes Verbrechen vorwiegend als Organisation, die in Zeiten der Führungslosigkeit zu versinken droht. Kaum ist das Problem aber gelöst, beruhigt sich alles. Die Triade ist eine Familie – jeder ist hier ein Bruder oder ein Onkel. Jeder schwört dem anderen Treue, nur so kann die Organisation funktionieren – für einander statt gegeneinander. Fast schon könnte man es einen Familien-Film nennen, aber mit den Kindern sollte man „Election“ trotzdem nicht schauen.

Überzeugt hat mich der Film dennoch nicht hundertprozentig. Vielleicht lag es daran, dass Johnny To gegen die Erwartungshaltung spielt und seinen Triaden-Film anders aufbaut als man es erwarten würde – eleganter, weniger blutig und halt Gangster mit einem größeren Ehrenkodex. Wie aber schon gesagt, verliert man gerade bei der Jagd um das Zepter schnell mal den Überblick, welcher der dunklen Männer nun für Big D und welcher für Lok arbeitet. Dennoch ist „Election“ gerade wegen seiner besonderen (realistischeren?) Sichtweise auf das organisierte Verbrechen in Hong Kong ein Ansehen wert. Ob man sich nun davon beeindrucken lässt, dass Quentin Tarantino diesen Film in höchsten Tönen lobt, sei jedem selbst überlassen.

Wertung: 5 von 10 Punkten (etwas wirrer, aber dennoch interessanter Blick auf die Mafia Hong Kongs)

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