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Böser Johnny Depp

15. August 2009

Der Titel zu diesem Aufsatz ist zweideutig zu verstehen. Es geht hier um „Public Enemies“, wo Johnny Depp den bösen John Dillinger spielt, der in den 30er Jahren Amerikas Banken um etliche Geldbündel ärmer gemacht hat. Andererseits sollte Johnny Depp (ein begeisterter Leser dieses Blogs 🙂 ) den Titel als ein Schimpfen des Autors verstehen: „Böser Johnny. Pfui. Warum machst du sowas und stiehlst mir wertvolle 140 Minuten meines Lebens.“ Aber vielleicht sollte das auch eher an Regisseur Michael Mann gerichtet werden, ich weiß es nicht.

Große Namen erzeugen große Erwartungen. Ein altbekanntes Spiel – gerne von Produzenten gespielt, um einen Erfolg zu garantieren. Aber so etwas kann immer schwer nach hinten losgehen: egal wie viele Stars sich in einem Film tummeln, wenn die Story Mist ist, ist auch alles andere Mist.

Die Katz-und-Maus-Jagd zwischen Dillinger und dem FBI (unter Führung eines etwas blassen Christian Bale) reißt kein bisschen mit. Der Funken springt einfach nicht über – was vielleicht auch daran liegt, dass sich kein wirkliches Katz-und-Maus-Spiel entwickelt. Dillinger scheint immer irgendwie geradeso zu entkommen und lässt seine Verfolger dumm in der Gegend stehen. Zwar wird nach und nach seine gesamte Bande ausradiert, aber Dillinger steht wie eine Eins. Bis er den gleichen Fehler macht, der Filmhelden, Anti-Helden und jedem normalsterblichem Mann auch passiert: Er trifft eine Frau und tut für sie alles.

Man könnte sich an dieser Stelle damit rausreden, dass „Public Enemies“ ein sehr stilvoller Film ist: Ich liebe diese alten Filme, in denen die Männer (Ganove oder nicht) maßgeschneiderte Anzüge und diese genialen Fedora-Hüte tragen. Die alten Autos und die Musik von Damals sind auch klasse. Aber Stil allein rettet einen Film nicht. Auch die Tatsache, dass Mann einige Szenen mit HD-Kameras gedreht hat, macht den Film nicht besser: man erkennt erstens zu deutlich, dass einige Szenen im neuen Format gedreht sind und andere nicht. Die HD-Szenen sehen natürlich spektakulär aus – sehr schön plastisch, tolle Lichteffekte, blablabla… HD allein ist aber auch keine Lösung. Dazu kommt hin und wieder ein Wackelkamera, die aussieht, wie meine ersten Kurzfilm-Versuche.

Mann verliert sich in seinen kleinen Details und vernachlässigt dabei seine Figuren. Hinterher kann ich nicht einmal sagen, ob ich nun für Dillinger oder gegen ihn war. Die Linie zwischen Gut und Böse verwischt hier zu sehr: die Methoden des noch jungen FBIs sind genauso brutal wie die Dillingers.

Fazit ist, wer so etwas wie „Heat“ oder „Colleteral“ erwartet hat, den enttäuscht Michael Mann. „Public Enemies“ ist ein furchtbar langatmiger, wenig spannender Gangster-Film, der wenigstens optisch was hermacht. Aber reicht das für ein Kino-Ticket von 8, 50 Euro plus Spesen? Ich würde jedem dringend abraten. Dann lieber ein ruhiger DVD-Abend und nochmal den Meister mit „Heat“ feiern.

Wertung: 3 von 10 Punkten (da helfen die großen Namen auch nicht weiter)

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