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Wahre Liebe…

13. August 2009

… gibt’s nur unter Männern – so zumindest ein bekannter Spruch. Dass sich aus so etwas eine recht erfolgreiche Fernsehserie schustern lässt, klingt im ersten Augenblick befremdlich. Ich will jetzt zwar nicht sagen, dass es genau dieser Spruch war, der Bill Lawrence dazu gebracht hat, „Scrubs“ zu schreiben – aber die Beziehung von J.D. und seinem besten Freund Turk kann mit diesem Spruch hervorragend zusammengefasst werden (nicht umsonst singen die beiden auch den Song „Guy Love“).

„Scrubs“ – die einzige „Arzt“-Serie, die ich mir tatsächlich in meinem Leben bis jetzt intensiv angeguckt habe. Denn hier finde ich passt alles das zusammen, worauf sich andere Serien des Genres nur beschränken: wir haben die Frauenserien wie „Grey’s Anatomy“, in der die Beziehungen untereinander eine größere Rolle spielen oder wir haben die Männerserie „House“, in der eigentlich nur die Kaltschnäuzigkeit des werten Doktors unterhaltsam ist (ich schaue mir „House“ deswegen nicht mehr an, weil ich den Schlussfolgerungen der Serie in Bezug auf die Detektiv-Arbeit Diagnose nicht folgen kann – immerhin aber sind die Sachen so gut recherchiert, dass an einigen Unis Kurse zu „House“ gegeben werden).

Zurück aber zu „Scrubs“, die das Ganze herrlich miteinander verbinden. Wir haben die zahlreichen Beziehungen und wir haben Kaltschnäuzigkeit (v.a. durch Dr. Cox). Aber damit nicht genug: was mich an „Scrubs“ am meisten fasziniert hat, war die Gradwanderung zwischen Sitcom und Drama.

Die Komik der Serie hat viele Ursachen:

–          Es gab die ständige „physical comedy“. Immer fällt irgendwer – Stuntmen hatte die Show wohl mehr als genug.

–          Die ständigen Tagträume und Fantasien von J.D. boten den wohl größten Spielraum für Komik.

–          Die Beziehungen innerhalb der Gruppen: die Liebe zwischen J.D. und Turk, die Hassliebe zwischen J.D. und Dr. Cox, seinem Mentor, die nicht näher zu definierende Beziehung zwischen J.D. und dem Janitor (dessen wahren Namen wir wohl nie erfahren werden) oder die immer wiederkehrende Liebesgeschichte zwischen J.D. und Elliot (die Witze hier passten, wenn wieder und wieder Vergleiche zu Ross und Rachel von „Friends“ gemacht wurden)

–          Die ständigen Seitenhiebe auf alte Serien oder die Gastauftritte.

–          Die zahlreichen Nebenfiguren, die anfangs nur schmückendes Beiwerk waren, im Laufe der Zeit aber mehr gewürdigt wurden, indem man sie stärker integrierte: vor allem der Janitor wird innerhalb der ersten Staffel zu einer Hauptfigur (Neil Flynns Name  taucht ab der zweiten Staffel im Vorspann mit auf).

Acht Staffeln habe ich die „Abenteuer“ des jungen Arztes J.D. verfolgt und genossen. Die Serie war echter Balsam für die Augen, eben weil sie so anders war als gewöhnliche Sitcoms. Immer wieder vollbrachten die Schreiber es, Komik mit Tragik zu verbinden und die Erzählerstimme J.D.s hat stets dafür gesorgt, dass wir etwas aus dem Erlebten mitgenommen haben.

Wenn das Ganze hier ein wenig wie ein Abgesang an eine Serie klingt, dann ist das vollkommen beabsichtigt: Die achte Staffel endet mit dem Ausstieg von Zach Braff alias J.D. Die Serie soll zwar weiterlaufen, aber ohne die Hauptfigur sehe ich da wenige Chancen für Erfolg. Zumal die meisten Sitcoms kaum älter als 9 Staffeln werden.

Diesen Abschied aber hat man bei „Scrubs“ mehr als nur würdig gefeiert. Die letzte Folge der achten Staffel war bemerkenswert: so ein Finale habe ich bei „Friends“ oder „King of Queens“ vermisst. „Scrubs“ verabschiedet seine Hauptfigur würdig und tränenreich (ja, ich geb’s ja zu). Statt eines einfachen Abschiedes wird hier ein Blick in die Zukunft gewagt, den J.D. damit kommentiert, dass nichts dagegen spreche, dass es nicht genauso passieren könnte. Dieses „Was-wäre-wenn“- Ende ist stilvoller gewesen als alles, was ich erwartet hatte.

Also kurz und knapp:

Geile Serie

Skurrile, aber liebenswerte Figuren

Gute Geschichten, die sowohl komisch sind, als auch ans Herz gehen

Toller Soundtrack

Interessante Querverweise auf amerikanische Pop-Kultur (ein wenig wie bei den „Simpsons“)

Wertung: 10 von 10 Punkten (eine meiner absoluten Lieblingsserien)

16 Kommentare leave one →
  1. 13. August 2009 19:25

    Interessant, dass du bei den Arzt-Serien „Emergency Room“ gar nicht erwähnst. Da ich kürzlich die erste Staffel (fast) komplett auf DVD gesehen habe, ist mir aufgefallen, dass Scrubs einige Elemente der Serie (zum Beispiel die Hassliebe zwischen Schüler und Mentor) wohl von E.R. abgekupfert hat.

    Das soll die Genialität von Scrubs aber in keinster Weise schmälern – J.D., Turk und der Rest der Bande sind einfach super (allerdings nur im Original!)

    • donpozuelo permalink*
      14. August 2009 06:51

      ich sage ja, sehr intensiv habe ich so was nie geguckt. „ER“ kenne ich eigentlich nur vom Hören-Sagen und als Geburtsstunde für George Clooney. aber danke für den hinweis

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