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(Un-) Lucky Number Slevin

8. August 2009

Liebe deutsche Filmverleiher,

wie kann es eigentlich sein, dass so viel Müll in die Kinos gelangt und Perlen wie Paul McGuigans „Lucky Number Slevin“ nur als DVD zu haben ist? Dieser Film hat doch alles, was wir schon lange mal wieder in einem intelligenten Thriller sehen wollten.

Ich frage mich, was Euch abgehalten hat, uns diesen Film im Kino zu zeigen. Ist es die Tatsache, dass der Film mit einer Vielzahl guter Schauspieler aufwartet? Bruce Willis, Morgan Freeman, Sir Ben Kingsley, Stanley Tucci, Lucy Liu und Josh Hartnett sind ja nun auch wirklich kaum Kinomagneten.

Vielleicht lag es aber auch daran, dass dieser Film damit beginnt, dass ein Pferd sterben muss. Sicher das Thema der verwechselten Identität ist auch nicht neu. Aber die Geschichte um Slevin ist wesentlich cleverer, witziger und schneller gelöst als bei anderen Filmen. Slevin (Hartnett) wird mit seinem Freund verwechselt, der dem Boss (Freeman) Geld schuldet. Da er das Geld nicht hat, bietet der Boss ihm an, statt dessen den Sohn des Rabbi (Kingsley) zu töten. Ein undurchsichtiger Bruce Willis streunert dabei auch die ganze Zeit herum, ohne das seine Ziele wirklich klar werden, aber das macht den Film nur noch besser. Anders als bei anderen Film errät man hier nicht nach den ersten dreißig Minuten, was los ist, sondern muss wirklich bis zur großen Auflösung am Ende warten.

„Lucky Number Slevin“ ist doch eigentlich eine willkommene Abwechslung, der mit tollen Ideen aufwartet (allein die Anfangsszene ist mit genialen Schnitten zu einem Fluss von Bildern zusammengeschnitten), die Dialoge erinnern an einen jungen Tarantino (mein persönliches Lieblingszitat stammt vom Rabbi: My father used to say: „The first time someone calls you a horse you punch him on the nose, the second time someone calls you a horse you call him a jerk but the third time someone calls you a horse, well then perhaps it’s time to go shopping for a saddle.“), die Wendungen der Story sind – wie schon gesagt – nicht sofort vorhersehbar (ich denke da nur an „Smoking Aces“, der zwar tolle Action hatte, aber relativ schnell zu durchschauen war) und die Auflösung hat mich echt total umgehauen.

„Lucky Number Slevin“ hat mich zwischendurch an Italo-Western gedacht – wo der einsame Cowboy in eine Stadt kommt und beginnt für die zwei verfeindeten Parteien zu arbeiten, ohne das die anfangs was davon wissen.

Am besten hat mir ehrlich gesagt die Idee gefallen, dass Josh Hartnett die erste halbe Stunde nicht einmal dazu kommt, sich etwas anzuziehen, sondern immer wieder von irgendwelchen Schlägern im Handtuch durch die Stadt kutschiert wird. Angeblich ist das nur im Film, weil Hartnett eine Zeit lang mit dem Drehbuchautor zusammenwohnte und dabei selbst ständig nur im Handtuch rumlief.

Also, liebe deutsche Filmverleiher, vielleicht solltet ihr demnächst einfach erst einmal die Filme schauen, denn solche Perlen sollte man nicht einfach so vor die Hunde werfen. Wer wirklich mal einen cleveren Thriller sehen will, der seine rasanten und ruhigen Momente gekonnt miteinander verbindet, eine Handvoll voll namenhafter Schauspieler mit wirklich guten Rollen ausstattet und es dabei sogar noch schafft, am Ende wirklich zu überraschen, der kommt um diesen Film eigentlich nicht herum.

Euer Don P.

Wertung: 9 von 10 Punkten (schon jetzt einer meiner Lieblingsfilme)

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