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Perdidos

3. August 2009

Die einen lieben sie, die anderen können sich nicht damit anfreunden. Eigentlich die richtigen Eigenschaften für eine Serie. Reden wir aber von der bislang besten Mystery-Serie seit langem (ihr seht, ich gehöre zur ersten Gruppe), dann könnte man selbst die zweite Gruppe noch vertrösten, denn diese Serie hat eine große Besonderheit: Wer nicht von Anfang an dabei ist, wird kaum einen Weg in die Serie finden. Hinter „LOST“ steckt nämlich ein dickes Konzept, das von Anfang der ersten Staffel bis zum heiß erwarteten Finale in der sechsten Staffel (kommt nächstes Jahr) schon lange mehr oder weniger feststeht.

„LOST“ ist auch so eine Serie, die ich einem NICHT-„LOST“-Fan (ja, so was soll es auch geben), nie wirklich erklären kann: Es geht um eine Gruppe von Menschen, die auf einer Insel abstürzen und dort auf merkwürdige Dinge wie ein Rauchmonster, Eisbären und merkwürdige Inselbewohner treffen, die dort noch merkwürdigere Experimente mit Raum und Zeit machen.

Ich gebe zu, so hört es sich echt komisch an, aber was alles dahinter steckt, ist wirklich beachtlich. Ich schätze mal, man könnte bestimmt einige Abschlussarbeiten zu dem Thema schreiben:

–          Zum einen zum Thema „Parasoziale Beziehung“ (ein beliebtes Serien-Thema für Medien- und Kommunikationswissenschaftler). Immerhin „beschränken“ sich die ersten zwei Staffeln damit, alle Figuren sehr genau vorzustellen – ihre Verschränkungen mit anderen, ihre Vergangenheiten und ihre Geheimnisse. Ich glaube, man könnte jeden Fan fragen, eine oder mehrere Lieblingsfiguren hat jeder (meine sind Desmond, Locke und Ben). Und mit den Figuren steht und fällt eine Serie ja auch irgendwie immer. Funktionieren die Figuren nicht, funktioniert der Rest auch nicht.

–          Ein weiteres Thema ist die „Welt von LOST“. Warum tragen alle Figuren Namen berühmter Personen aus Naturwissenschaft und Philosophie? (Hierbei erweist sich „LOST“ als ein interessantes Suchspiel in der Form „Finde die zahlreichen Referenzen zu Literatur, Wissenschaft, Kunst, etc.) Was sollen diese Zahlen „4  8 15  16  23  42? (Die Zahlen tauchen unentwegt wieder auf und bis jetzt weiß noch keiner so recht, was sie eigentlich sollen.) Was, wer, wo und wann ist die Insel? Was sollen die Experimente der Dharma Initiative? (Hier erweitern die Macher der Serie das Programm und liefern einige fiktive Sites, die zu den Firmen der Serie gehören.)

–          Ein eher filmanalytisches Thema wäre die Viel-Dimensionalität oder besser die Tatsache, dass „LOST“ nicht einfach nur linear und chronologisch verläuft, sondern sich durch Vor- und Rückblenden auszeichnet, die so gekonnt verwendet werden, dass die Spannung in jeder Folge kaum auszuhalten ist.

„LOST“ ist eine so tiefgründige Serie, die kann ich hier gar nicht ausbreiten. Wer sich mit den Figuren, den Mysterien und allem anderen rund um „LOST“ beschäftigen will, sollte sich ein paar Stunden Zeit nehmen und sich die Serie auf DVD zu Gemüte führen. Das ist eh besser als im Fernsehen, wo man immer eine Woche auf die nächste Folge warten muss.

Für alle Nebeninfos empfehle ich http://de.lostpedia.wikia.com/wiki/Hauptseite – da findet ihr wirklich alles, was ihr zur Serie wissen müsst.

Ein Hoch auf J.J. Abrams. Mann, würde ich gerne mal in seinen Kopf schauen. Da steckt wahrscheinlich schon irgendwas Neues drin, dass sich hervorragend verkaufen lässt.

Wertung: 9 von 10 (+ 1, wenn die Serie ein gekonntes Ende findet, -1, wenn nicht… alles in allem ist „LOST“ für mich wirklich die beste Mystery-Serie seit Ewigkeiten)

 

P.S.: Der Titel dieses Artikels beruht auf der spanischen Übersetzung (die zweite und dritte Staffel habe ich mir in Spanien gekauft, um den zweigeteilten Box-Sets hier in Deutschland zu entgehen).

3 Kommentare leave one →
  1. 4. August 2009 12:39

    Ich fand LOST in den frühen Staffeln, wo sich die Serie noch richtig Zeit gelassen hat, um u.a. die Figuren zu entwickeln, noch mitunter am Besten. Spätestens mit Staffel 4 / 5 schleudert mir die Serie an manchen Stellen zu heftig durcheinander. Besonders die erste Zeitreise-Episode war meiner Meinung ein Tiefpunkt.

    Die ganzen erwähnten Referenzen (Namen, Zahlen, etc.) geben LOST sicherlich etwas mehr Dimension und Tiefe, aber es wird alles mit dem Ausgang der gesamten Handlung stehen und fallen.

    Guter Artikel!

Trackbacks

  1. Every little girl’s fantasy??? « Going To The Movies
  2. Alles hat ein Ende! « Going To The Movies

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