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Teurer Seitensprung

20. Juli 2009

Charles – verheiratet, ein Kind verpasst eines Morgens seinen Zug und lernt im nächsten Lucinda (ebenfalls verheiratet mit Kind) kennen. Von nun an nimmt Charles immer den späteren Zug und langsam lernen er und Lucinda sich besser kennen, bis sie sich dazu entschließen, sich ein gemeinsames Hotelzimmer zu nehmen. Bevor es aber zu dem Schäferstündchen kommen kann, werden sie überfallen. Der Gangster raubt ihr Geld, schlägt Charles K.O. und vergeht sich an Lucinda. Statt zur Polizei zu gehen, sagen die beiden später gar nichts. Und so kann Charles auch nicht wirklich reagieren, als der gleiche Ganove ihn ein paar Tage später anruft und mehr Geld verlangt.

„Entgleist“ vom schwedischen Regisseur Mikael Hafström (über dem A müsste theoretisch noch ein Kuller sein) ist die Verfilmung des gleichnamigen Buches. Und scheinbar muss das Buch sehr gut gewesen sein, denn „Entgleist“ ist mal eine nette Abwechslung im Bereich des „Thrillers“. Hafström lässt sich Zeit: Charles und Lucinda springen nicht sofort ins Bett, sondern bewegen sich ziemlich langsam darauf zu, ihre Partner zu betrügen. Aber auch nach dem Überfall bewegt sich der Film recht besonnen durch die Thematik der Erpressung. Wir erleben nicht, wie Charles plötzlich zu ungeahnten Kräften kommt und anfängt, harte Selbstjustiz zu betreiben. Viel eher beobachten wir einen verängstigten Mann dabei, wie er versucht, sein Leben wieder in die Normalität zu bringen und dabei immer tiefer in den Abgrund rutscht.

„Entgleist“ verzichtet auf große Action und ist dennoch absolut sehenswert und spannend. Der Soundtrack hat mich dabei ehrlich gesagt am meisten überrascht. Normalerweise wird ein Thriller stark von der Musik getragen, in diesem Fall hat man sich aber dazu entschieden, die Figuren die Story tragen zu lassen. Die Musik ist wirklich nur sehr behutsam eingesetzt – ein wie ich finde nicht unwichtiger Punkt (man nehme nur das Beispiel „Illuminati“ – die Musik war so stark überzeichnet, dass es viel zu viel war).

Die große Pro-Sieben-Free-TV-Blockbuster-Sonntagsüberraschung war somit mehr als nur gelungen. „Entgleist“ ist wirklich ein Film, der mich begeistert hat. Spannende Story (mit ein paar netten Plottwists) und gute Charaktere (v.a. Mr. Karotte „Shoot ‘Em Up“ Clive Owen und Vincent Cassel) formen hier einen formidablen Thriller.

Lustiges Nebendetail Nr.1: Hier lernt ihr mal tatsächlich nen witzigen Anmachspruch (Auflösung – siehe unten).

Lustiges Nebendetail Nr.2: Dieser Film war es selbst den Indern wert, ein Bollywood-Remake davon zu machen (für einen Bollywood-Film ist die Story zwar ein bisschen zu hart, aber immerhin…)

Lustiges Nebendetail Nr.3: Xzibit und RZA spielen mit (für den, den es interessiert…)

Wertung: 8 von 10 Punkten (intelligent gemachter Film – halt ein Ausländer in Hollywood)

P.S.: Meine Suchmaschine hat mir gezeigt, dass gerade der Anmachspruch große Nachfragen erzielt hat. Deswegen werde ich diejenigen, die den Film nicht gesehen haben, hier jetzt erleuchten:

Charles und Lucinda sitzen in einer Bar.

ER: Ich wette für 20 Dollar, dass ich Sie küssen kann, ohne Sie zu berühren.

Sie lacht, er legt das Geld auf den Tisch und küsst sie. Dann meint er nur: „Das war es mir wert.“

Fand ich irgendwie kreativ… also, könnt ihr ja demnächst mal ausprobieren.

2 Kommentare leave one →
  1. 20. Juli 2009 23:01

    Ich habe den Film auch gestern gesehen und muss dir im Grunde zustimmer, wirklich mal ein etwas anderer, aber kluger Thriller mit Top-Besetzung. Die Moral ist meiner Meinung nach etwas zweifelhaft.

    • donpozuelo permalink*
      21. Juli 2009 10:04

      Mit der Moral geb ich dir vollkommen recht. aber das ist gerade bei solchen „seitensprung“-motiven in filmen immer etwas schleierhaft. in den meisten fällen wird ja der seitensprung selbst stark runtergespielt.
      und was die selbstjustiz angeht… na gut, das kennen wir ja auch aus genügend filmen…

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