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Zerbrochene Träume

29. Juni 2009

Die Jugend hält sich für unsterblich. Wenn wir jung sind, glauben wir, alles bewältigen zu können. Auf eine naive Art und Weise träumen wir unmögliche Träume und schaffen dabei das Unmögliche: das Leben dieser Träume. Mit dem Alter, so heißt es, wird man dann aber reifer, erwachsener, „bodenständiger“ (was auch immer das heißen soll). Und, möglicherweise, erkennt man, dass sich nicht alle Träume verwirklichen lassen, dass wir doch nicht so besonders sind und es vielleicht nie waren.

So oder ähnlich geht es Frank und April Wheeler in Sam Mendes‘ Meisterwerk (und das meine ich so) „Zeiten des Aufruhrs“ (Originalton klingt wieder mal besser: Revolutionary Road). Auch Frank und April haben zum Anfang ihrer Beziehung große Träume, auch sie sind jung und denken, die Welt gehört ihnen. Aber dann wird April schwanger, Frank nimmt einen Job an (denn: es geht immer nur ums Geld), sie ziehen in eine ruhige Vorstadt und leben hinter der Fassade der glücklichen amerikanischen Familie der 50iger Jahre. Nur die Fassade bröckelt – einen Ausweg sehen die beiden in einer Reise nach Paris. Interessant dabei ist, dass die meisten ihrer Freunde nicht verstehen können, warum sie ohne irgendwelche konkreten Pläne nach Frankreich reisen wollen – das liegt aber daran, dass Frank und April keinem ihrer Freunde deutlich machen können, dass ihr Leben nur eine Farce ist. Nur der verrückte Sohn der Immobilienmaklerin scheint die beiden zu verstehen – und das sagt doch irgendwie alles…

„Zeiten des Aufruhrs“ spielt im Amerika der 50er, und kann auch nur in dieser Zeit funktionieren. Allein die Tatsache, dass die Geschlechteraufteilung klar in arbeitenden Mann und Hausfrau aufgeteilt ist, und die Verzweiflung Aprils am Ende des Films, könnte in einem Film, der in der heutigen Zeit spielt, nie sinnvoll erklärt werden und würde uns eher dazu veranlassen, den Film zu verlachen. Die USA der 50er passen viel besser: Hier scheint alles irgendwie nur Fassade zu sein, jeder versucht ein Bilderbuch-Leben zu führen, um gesellschaftlich gut dazustehen. Nur ein Verrückter versteht das junge Ehepaar, woraus man schließt, dass auch die beiden eigentlich nur Verrückte für ihre Zeit sind.

Wieder einmal haben wir hier auch mein persönliches Thema: Leonardo DiCaprio. Ich mochte ihn nie besonders, aber in letzter Zeit muss ich meine Meinung über den guten Mann stark revidieren (was zum Teil ja schon in der Besprechung von „Der Mann, der niemals lebte“ geschehen ist): in diesem Film spielt „Leo“ wirklich absolut überzeugend. Was aber nicht von ungefähr kommt: seine Partnerin Kate Winslet spielt ebenfalls grandios (ich möchte sogar so weit gehen und sagen: Für diesen Film hätte sie eher einen Oscar kriegen sollen. „Der Vorleser“ war sehr gut, aber in „Zeiten des Aufruhrs“ fährt sie richtig hoch).

Schon in „American Beauty“ schafft es Mendes hinter die Kulisse der „All-American-Family“ zu gucken und uns ein erschreckendes Bild zu liefern – erschreckend in der Hinsicht, dass es lebensnaher scheint, weil man sich selbst irgendwo darin wieder finden kann. Ich kann „Zeiten des Aufruhrs“ nur jedem wärmstens empfehlen: ein herrliches Hauptdarsteller-Duo, die den Film alleine stemmen und das ohne Mühe. (Mein zusätzlicher Favorit ist eine Kathy Bates, die man mal wieder sehen kann, die ein fast noch besseres Bild für die Ignoranz der damaligen Zeit gibt – und es ist ihr Sohn, der die „verrückten“ Eheleute als einziger wirklich versteht.)

Wertung: 9 von 10 Punkten (sehr, sehr großes Kino)

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