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Gestrandet im Nirgendwo

27. Juni 2009

Bobby (Sean Penn) hat kein Glück. Ihm fehlen nicht nur zwei Finger, nein, im passenden Augenblick überhitzt sein Wagen und Bobby strandet mitten in der Pampa Arizonas, in dem beschaulichen Örtchen Superior. Superior ist ein Ort, an dem man nicht einmal tot überm Zaun hängen möchte und auch Bobby will so schnell wie möglich wieder los. Problem ist nur, dass er nicht mit den skurrilen Bewohnern gerechnet hat – allen voran Darrell (ein nicht wieder zu erkennender Billy Bob Thornton), der Mann, der sein Auto reparieren soll und es nur noch mehr auseinander baut.  Bobby muss also länger in der Stadt verweilen und trifft so auf Grace (Jennifer Lopez) und ihren Mann Jake (Nick Nolte).

Aus Mangel an Geld nimmt Bobby Jakes Angebot an, Grace für Geld umzubringen. Nur, wie zu erwarten ist, ist Grace eine nett anzusehende Dame, die mit ihren Reizen umzugehen weiß. Jetzt will sie, dass Bobby ihren Mann umbringt, damit sie zusammen mit Jakes Geld abhauen können.

Die Handlung von Oliver Stones „U-Turn“ klingt bekannt und ist dennoch absolut sehenswert. Aber nicht unbedingt, weil die Story so einzigartig ist, sondern weil Stone diese Story zeitweise ganz in den Hintergrund stellt und uns eher ein Porträt einer amerikanischen Stadt im Nirgendwo liefert, in der sehr kunstvolle und merkwürdige Gestalten rumlaufen. Bobbys Aufenthalt in der Stadt entwickelt sich zu einem absoluten Alptraum – er wird überfallen, er wird von einem blinden Indianer zugequatscht und ein eifersüchtiger Tölpel mit Gel-Tolle (absolut witzig: Joaquin Phoenix) versucht sich ständig mit ihm zu prügeln. Sean Penn als verschwitzter, verzweifelter Städter mit eigenen Problemen kämpft sich durch eine Stadt, die ihm fremder nicht sein könnte und in der er, der eigentlich unsichtbar sein will, auffällt wie ein Paradiesvogel.

Neben einer Reihe von ausgezeichneten Schauspielern überzeugt „U-Turn“ aber auch durch eine fesselnde Kameraarbeit, die mal in Großaufnahmen, die Verzweiflung in Bobbys Gesicht einfängt und dann wieder in Totalen zeigt, wie klein diese menschlichen Probleme in der großen Einöde sind. Der Schnitt erinnert in seiner Abruptheit an „Natural Born Killers“ (immer wieder taucht eine Reihe von Bildern auf, die ein Bild der Einöde zeichnen). Der Soundtrack stammt aus den erfahrenen Händen (oder dem erfahrenen Kopf – je nachdem) von Ennio Morricone.

„U-Turn“ ist ein spannender Film, der aber weniger durch sein originelle Geschichte als vielmehr durch seine zahlreichen Figuren lebt. Das soll jetzt nicht bedeuten, dass die Handlung nicht gekonnt voran getrieben wird. Ich will damit nur sagen, es ist nicht wirklich neu, was wir hier aufgetischt bekommen, aber es ist gekonnt verpackt, packend, witzig, blutig und einfach nur herrlich (für die Herren der Schöpfung gibt es ja da auch noch eine ziemlich nett anzuschauende J.Lo, die viel Körpereinsatz zeigt).

Wertung: 8 von 10 Punkten (solider Thriller mit sehr guten Schauspielern, die den Film vor der Mittelmäßigkeit bewahren)

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