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Versuchung

14. Juni 2009

Jetzt muss ich mal wieder zu meine romantischen Seite Stellung nehmen und euch den Film „The Last Kiss“ („Der Letzte Kuss“) ans Herz legen. Dieser Film ist wie eine Lawine – eine kleine Kugel rollt los und nimmt im Laufe ihres Weges alles mit, was ihr in den Weg kommt.

Zentrale Figur ist der junge Architekt Michael (grandios gespielt von „Scrubs“-Arzt Zach Braff), Ende Zwanzig, erfolgreich und erwartet mit seiner Freundin Jenna ein Kind. Bei dem Gedanken daran, Familie zu haben und Verantwortung zu übernehmen bekommt er Panik. So ähnlich geht es auch seinen Freunden, die alle mit den gleichen Problemen geplagt sind – wirklich erwachsen werden. Auf einer Hochzeit lernt Michael die junge Studentin Kim kennen und fühlt sich versucht. Und Michael kämpft sehr mit sich, aber als er sieht, dass die Freunde um ihn herum, es nicht schaffen, ihre Leben zu bewältigen, erliegt er der Versuchung.

„The Last Kiss“ stellt zu Anfang sehr viele Probleme gleichzeitig vor, was mich zuerst etwas an dem Film zweifeln ließ, weil er dadurch doch sehr überfüllt wirkte. Aber im Großen und Ganzen muss man erkennen, dass dies nur Beispiele sind, an denen sich die Handlung von Michael orientiert. Er hat Sorgen über Verantwortung, fragt sich, ob sein Leben nicht anders verlaufen könnte, und sieht an seinen Freunden, dass nichts wirklich planbar und nichts wirklich perfekt ist. Und so sieht er keinen anderen Ausweg als Kim.

Natürlich kann man, und das sollte man an dieser Stelle auch, „The Last Kiss“ vorwerfen, dass der Seitensprung als Selbstfindungsmittel stilisiert wird: „Hast du Sorgen in der Beziehung, schlaf mit jemand anderem. Danach weißt du besser was du fühlst und kannst dich besser ausdrücken.“ Dadurch dass der Film sich nur auf die die Figur des Michael konzentriert, führt unweigerlich dazu, dass wir Mitleid mit ihm bekommen können. Aber das wiederum ist ein Phänomen, dass doch eigentlich immer auftaucht – ein schwerwiegendes moralisches Problem: der Film spielt uns Liebe nur so vor, wie sie sein soll und am Ende des Films wollen wir, dass alles getan wird, damit diese Liebe wiederbelebt wird. Wer dabei zu Schaden kommt, ist in dem Augenblick vollkommen egal – Hauptsache Figur A und Figur B sind wieder zusammen.

Zum Glück fällt „The Last Kiss“ nicht in diese typische Happy End-Falle, sonder präsentiert sich uns mit einem relativ offenem Ende, damit sich jeder selbst überlegen kann, wie es wohl zwischen Michael und Jenna ausgehen wird (Die DVD bietet ein alternatives Ende, dass weniger kreativen Spielraum für den Zuschauer lässt und daher zu Recht [und zum Glück] nicht in der Kinofassung auftaucht.). Gerade das macht „The Last Kiss“ auch ein wenig besonders, denn von Hollywood sind wir ja doch eher Happy-End-Kitsch gewöhnt.

Paul Haggis, der schon mit „L.A. Crash“ bewegt hat, liefert für diesen Film das Drehbuch und trifft vielleicht genau den Nerv der Zeit, indem er die Midlife-Crisis auf die Ende Zwanziger verlegt und es mit den Worten von Kim begründet, dass wir in schnelleren Zeiten leben, in denen viel früher größere Sorgen herrschen.

Insgesamt ist „The Last Kiss“ ein wirklich gelungener Film – die Schauspieler sind glaubwürdig, der Spannnungsaufbau ist stetig (wenn auch vielleicht an einigen Stellen vorhersehbar), der Film hat sowohl seine lustigen als auch seine traurigen Momente und der Soundtrack dem Film absolut perfekt angepasst.

Wertung: 9 von 10 Punkten (traurig-schöner Film um Verantwortung und Vertrauen)

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