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Der alte Mann und das Auto

13. Juni 2009

Auf die Empfehlung eines alten Freundes habe ich mich aufgemacht, um Clint Eastwoods letzten Streifen „Gran Torino“ zu gucken (und zum Glück habe ich noch ein Kino gefunden, dass den Film in der laufenden 15. Woche noch im Programm hatte – wenn das nicht was über den Film aussagt). „Gran Torino“ war neben „Der fremde Sohn“ (sehr empfehlenswerter Film) der zweite Film, mit dem Clint Eastwood uns dieses Jahr beglückt hat, und hier sogar sowohl vor als auch hinter der Kamera.

Eastwood spielt den alten, verbitterten, rassistischen Korea-Veteran Walt Kowalski, der mitten in einem „bunt gemischten“ Viertel lebt, in dem er eigentlich der Außenseiter ist. Nach dem Tod seiner Frau bleibt dem alten Mann nur noch sein Hass auf die Menschen und sein 1972er Ford Gran Torino. Um den geht es auch, denn der Nachbarsjunge Thao soll ihn stellen, um in eine Gang aufgenommen zu werden. Zum Glück für Thao (und Walt und den Kinozuschauer) erwischt Walt den Jungen und verjagt ihn. Allerdings verlangt die Tradition von Thaos Familie, dass er um Verzeihung bittet und so kommt es, dass Thao und Walt näher zusammenkommen, als es dem Menschenhasser Walt lieb ist.

Bis hierhin präsentiert sich „Gran Torino“ als unspektakulär. Gut in Szene gesetzt, aber unspektakulär und vorhersehbar. Die Freundschaft zu Thao lässt Walt erkennen, dass seine Vorurteile falsch sind. Eastwood spielt grandios die Wandlung vom Miesepeter zum Freund und erinnert gerade am Anfang als spuckender, rauchender Kerl an seine Rollen in den alten Italo-Western, in denen er die Zigarre im Mundwinkel hat und mit zusammengekniffenen Augen in die Kamera starrt. Bis hierhin ist es die Figur des Walt (und somit Eastwood) der den Film am Laufen hält. Dem kundigen Zuschauer wird aber schnell bewusst, dass diese neue Idylle nicht von langer Dauer sein kann.

Ein erneuter Übergriff der Gang auf Thao veranlasst Walt zu einem Racheakt, der sich insofern rächt, als dass Thaos Schwester überfallen, zusammengeschlagen und vergewaltigt wird. Nun fassen sowohl Thao als auch Walt den Entschluss, dass endgültig abgerechnet werden muss. Aber Walt verhindert, dass Thao zu seiner Rache kommt und stellt sich der Gang allein. Hier kommt eine Wendung, die dann doch ein wenig überraschend kommt, aber irgendwie etwas übertrieben wirkte. Walt scheint sich reinwaschen zu wollen, indem er für seinen ehemaligen Feind in den Kampf zieht. Er lässt sich sogar ein letztes Mal die Beichte abnehmen, bevor er in den Kampf zieht. Das Ende hat mich dann doch sehr an „Falling Down“ mit Michael Douglas erinnert – aber leider hat es mich nicht so sehr bewegt wie bei „Falling Down“. Um ehrlich zu sein, hätte ich mehr von der Figur Walt erwartet, als das, was er am Ende macht. Es wirkt vollkommen anders als alles, was man von dieser Figur sonst gewohnt ist. Aber gut, das ist sicher Ansichtssache…

Auch wenn ich am Anfang geschrieben habe, dass der Film nicht spektakulär ist, ist er immer noch besser als manch anderer Film, den wir so als Kinozuschauer vorgesetzt bekommen. „Gran Torino“ soll auch kein spektakulärer Film sein – es ist kein bluttriefender Rachefilm (dafür ist der alte Mann dann doch zu alt); es ist eher ein Film darüber, dass man sich ändern kann. Und das einige teuer bezahlen, um sich zu ändern.

Wertung: 7 von 10 Punkten (ein klasse Eastwood ist eigentlich immer sehenswert – und sei es nur, um den Mann mal wieder vor der Kamera zu sehen)

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