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Gurusawas „Macbeth“

8. Juni 2009

Um es schon mal vorweg zunehmen, Kurosawa-Fans sollten diesen Film wirklich gesehen haben. Es ist ein brillanter Film über die schwache Natur des Menschen und eine Fabel darauf, dass das Streben nach Macht nur mit dem Untergang enden kann.

Die Samurai Washizu und Miki kehren aus einem erfolgreichen Feldzug zu ihrem Fürsten zurück, der im Schloss im Spinnwebwald residiert. Bevor die beiden dort aber ankommen, begegnet ihnen im Spinnwebwald ein Geist, der ihnen eine Prophezeiung macht: Washizu wird am gleichen Tag Herr des Nordhauses und Miki Befehlshaber der ersten Festung. Und später wird Washizu Herr des Schlosses im Spinnwebwald, welches danach an Mikis Sohn übergehen wird.

Die erste Prophezeiung erfüllt sich und Washizu gibt sich damit zufrieden. Seine Frau jedoch nicht. Sie überredet ihren Mann, den Fürsten zu töten, da dieser sonst Washizu selbst töten könnte (um zu verhindern, dass dieser Fürst wird). Washizu folgt dem Rat seiner Frau und wird Fürst. Aber statt seiner Freundschaft zu Miki gerecht zu werden und dessen Sohn als seinen Nachfolger zu bestimmen, folgt Washizu erneut dem Rat seiner Frau. Er lässt Miki umbringen. Dessen Sohn kann aber entkommen und verbündet sich mit dem feindlichen Fürsten, um gegen Washizu vorzugehen. Der ist aber mittlerweile sein eigener größter Gegner, denn er wird von Wahnvorstellungen und Paranoia zerfressen…

Kurosawas „Das Schloss im Spinnwebwald“ ist eine Verarbeitung von Shakespeares „Macbeth“ und dabei noch eine verdammt spannende. Frei nach dem Motto: Hinter jedem erfolgreichen Mann steckt eine ehrgeizige Frau, beschreibt der Film, wie die Machtgier Freunde gegen Freunde bringt und am Ende nur im Tod enden kann. Der Film folgt einem langsamen Spannungsaufbau, der dann aber rapide zunimmt, wenn Washizu sich mehr und mehr in den Wirren seines eigenen Spiels verfängt. Dass der Film so intensiv auf einen wirken kann, liegt an den düsteren Schwarz-Weißbilden. Und in fast jeder Szene bedeckt am Anfang oder am Ende Nebel das Geschehen und zögert somit den Blick auf das was kommt, lange heraus. Wenn Washizu den Plan mit seiner Frau bespricht, kreischt im dunklen Nirgendwo ein Vogel seinen merkwürdigen Schrei; und auch am Ende sind es Vögel die als böses Omen dafür stehen, dass Washizu seinen Freund verraten hat.

Der Verrat am Freund bringt Washizu nur den Wahnsinn, ebenso wie seiner Frau. Am Ende wird Washizu von seinen eigenen Männern dahingestreckt. Eine Szene, bei der der Fürst von zahlreichen Pfeilen durchbohrt wird. Angeblich soll Kurosawa echte Pfeile verwendet haben, um seinem Darsteller Toshiro Mifune (der Räuber aus „Rashomon“) zu helfen, die Angst besser spielen zu können.

„Das Schloss im Spinnwebwald“ ist trotz seines Alters von 52 Jahren ein äußerst sehenswerter Film, der eindrucksvoll schildert, dass Raffgier zu nichts führt (und vielleicht auch, dass man, wenn man glücklich ist, nicht auf seine Frau hören sollte).

Wertung: 9 von 10 Punkten (dieser Film reißt mit – spannend gespielt und toll in Szene gesetzt – Kurosawa ist halt doch einer der besten gewesen)

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