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Die etwas laaaange Geschichte des Benjamin Button

2. Juni 2009

David Finchers freie Adaption von Fitzgeralds „Benjamin Button“ war bei den letzten Oscars für 13 Oscars nominiert, ging aber in den großen Kategorien eher leer aus. Mag das vielleicht daran liegen, dass der Film doch nicht so gut ist, wie die Kritiken ihn immer beschrieben haben?

Die Geschichte an sich ist sehr spannend (ich empfehle die Novelle zu lesen – ist kurz und schnell zu lesen): ein Kind wird geboren, aber 80 Jahre alt zu sein scheint. Im Verlauf seines Lebens altert Benjamin Button rückwärts, um am Ende als kleines Baby zu sterben. Benjamin verbringt daher seine „jungen“ Jahre in einem Altersheim, wo er die Liebe seines Lebens kennenlernt – Daisy. Ähnlich wie bei „Forrest Gump“ begleitet der Zuschauer Benjamin durch die verschiedenen Stationen seines Lebens als Matrose auf einem Kutter, im Zweiten Weltkrieg, etc. Immer wieder trifft er dabei auf Daisy (mittlerweile eine Primaballerina), mit der er schließlich auch ein Kind hat.

Die eigentliche Haupthandlung ist ein Rückblick basierend auf Benjamins Memoiren, die seine Tochter (das erfährt sie aber erst später) der totkranken Mutter vorliest, während Hurrikan Katrina wütet.

Wie in der Schule fangen wir erst mal mit den positiven Sachen an: Anfang und Ende des Films sind lustig und traurig zugleich (im negativen Teil mehr dazu).

Brad Pitt überzeugt als alter Mann absolut. Dabei finde ich die Art und Weise, wie er zum alten Mann gemacht wurde, äußerst aufwendig und interessant. Es wurden tatsächlich alte Schauspieler gewählt, die während des Drehs eine blaue Maske tragen mussten. In der Postproduktion wurde dann Brad Pitts Gesicht auf die alten Körper gesetzt. Das Makin-Of zum Film ist also definitiv interessant anzuschauen.

Es gibt sehr liebenswerte Nebenfiguren (und eine davon trägt zu einem witzigen Running-Gag bei) – allen voran Benjamins Mutter und sein Kapitän („Fringe“-Bösewicht Jared Harris).

Kommen wir zu den negativen Sachen:

Erstens: die Handlung zwischen der alten Daisy und ihrer Tochter in einem Krankenhaus vor dem Szenario des herannahenden Hurrikans empfand ich als etwas störend. Es hat nicht wirklich etwas zur eigentlichen Geschichte beigetragen. Und ich habe mich die ganze Zeit gefragt, warum der Film Hurrikan Katrina nimmt. Sollte das etwa der erste Bewältigungsversuch gewesen sein???

Zweitens: „Benjamin Button“ ist in erster Linie eine Liebesgeschichte und spielt sich hauptsächlich in der Mitte der Handlung ab (nimmt aber auch den Großteil der 166 Minuten ein). Um mal wieder den Vergleich zu „Forrest Gump“ zu nehmen: Benjamin und Daisy sind nicht annähernd so rührselig wie Forrest und seine Jenny. Der Beginn des Films führt in angemessenem Schritt durch Benjamins erste Lebensjahre, sobald wir aber einen Brad Pitt – so wie die Damen ihn kennen und lieben – vor der Kamera haben, verweilen wir in dieser Zeit sehr lange. (Die erzählte Zeit, die am Anfang und Ende zügig ist, wird nun extrem verlangsamt, um der Liebesgeschichte Platz zu räumen.) Das macht den Film gefühlt zu lang. David Fincher baut zu dem noch einen Unfall Daisys mit in den Film ein, der nach dem Prinzip, was wäre wenn, erzählt wird. Auch wenn diese Szene toll aussieht (vor allem schnitttechnisch), passte sie mir nicht wirklich in den eigentlichen Ton des Films hinein.

Ob es nur mir so geht, kann ich nicht sagen, aber es zwangen sich mir immer wieder Vergleiche zu „Forrest Gump“ auf. Und somit kann ich nur sagen: diese DVD sollte man sich nur ausleihen, um sie dann kurz vor der Kasse durch „Forrest Gump“ zu ersetzen.

Wertung: 6 von 10 Punkten (fängt wunderschön an, lässt in der Mitte etwas nach, damit wir dem Leinwandgöttern Blanchett und Pitt huldigen können, um dann sehr traurig zu enden – dennoch: eher „Forrest Gump“ gucken)

One Comment leave one →
  1. Sebastian Schuster permalink
    4. Juni 2009 08:20

    Die technische Umsetzung erscheint mir wirklich gelungen. Leider ist dem Drehbuch und dessen Umsetzung nicht die gleiche Liebe und Leidenschaft zu Teil geworden. Schade. 4 von 10 Punkte

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