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Gestörte Familienidylle

30. Mai 2009

Remakes sind ja immer so eine Sache. Manchmal sind sie gut, in den meisten Fällen sind sie aber eher mittelmäßig (vorausgesetzt man kennt das Original). In einer Zeit, in der wir ständig nur noch von Comic-, Buch- oder Videospiel-Verfilmungen geplagt werden, werden auch alte Klassiker verschiedenster Genres wieder aufgearbeitet. Am schlimmsten betroffen sind dabei immer wieder die Asiaten, deren absolut geniale Originale in billige US-Imitate verwandelt werden. Hin und wieder kommt es aber auch vor, dass US-Imitate aus US-Filmen gemacht werden. So geschehen bei „The Last House On The Left“.

Ursprünglich kommt der Film von Horror-Ikone Wes Craven, der unter dem gleichen Titel 1972 in die Kinos kam und einen ziemlichen Skandal wegen seiner Gewalt und Vergewaltigungsszene auslöste. Aber in den 70er Jahren schien das irgendwann so sehr verarbeitet worden zu sein, dass man tatsächlich eine Bezeichnung für solche Art von Filmen finden kann: das Sub-Genre des Horrors: „Rape and Revenge“ (denn so wirklich Horror ist Last House on the Left“ nicht – das Rachethema trifft es eher).

Worum geht’s? Mari, eine junge, wie immer sehr hübsche Frau fährt mit ihren Eltern in den Urlaub an deren Haus am See – schön abgelegen, perfekter Schauplatz für irgendwas Schlimmes. Am ersten Tag trifft sich Mari mit ihrer Freundin Paige, mit der sie sich zusammen mit dem Jungen Justin (den man gerade erst getroffen hat) ein paar Joints teilt. Pech für die beiden nur, dass Justins Vater Krug (was für ein Name) ein brutaler und gesuchter Verbrecher ist und zufällig zu früh wieder im Motel auftaucht. Kurzerhand werden Paige und Mari von Krug und seiner Bande entführt. Nach einem Autounfall und einem Fluchtversuch wird Paige getötet, Mari von Krug vergewaltigt. Mari kann aber fliehen und rettet sich in den See. Durch ein aufkommendes Unwetter retten sich Krug und seine Gruppe in ein Haus – das Haus von Maris Eltern. Als diese später mitbekommen, wen sie da beherbergen, schlagen sie zurück.

Ich persönlich war ohne große Erwartungen in den Film gegangen. Immerhin sind die „Horror“-Filme, die man den Zuschauern heutzutage serviert, mehr Blutpornos in denen sinnlos Kunstblut und Gedärme die Kamera beflecken. „Last House on the Left“ folgt diesen Vorgaben nicht unbedingt. Die Einleitung – die Vorstellung der Familie – erfolgt in ruhigen, idyllischen Bildern, die einen nur darauf warten lassen, wann dieses schöne Bild zerstört wird. Und dieses Bild wird schnell zerstört und verstört gleichzeitig auch (zumindest mich). Und hier gehen wir zu etwas über, was ein heikles Thema im Film ist: Wie stellt man eine Vergewaltigung dar? Denkt man an den französischen Film „Irreversible“, wo die Kamera wie ein Voyeur die ganze Zeit auf das Geschehen starrt und dem Zuschauer Ekelgefühle gibt, dann hofft man, so etwas nie sehen zu müssen. In „City of God“ wiederum hört man nur die Geräusche und sieht in das entsetzte Gesicht des Freundes des Opfers. Es gibt solche und solche Methoden, so etwas dermaßen unschönes zu zeigen. Dennis Iliadis, der Regisseur, entscheidet sich für den Voyeurismus. Und so müssen wir uns auch in „Last House on the Left“ durch diese ekelerregende Szene quälen, die als Aufhänger der Story genutzt wird, um den Rachefeldzug der Eltern einzuläuten.

Die Rache der Eltern folgt dann aber eigentlich dem bekannten Schema des Rachefilms: mit einfachsten Mitteln wird hier gegen die scheinbare Übermacht angegangen. Die Figuren sind dabei deutlich in Gut und Böse untergliedert, so dass wir genau wissen, wer am Ende überlebt und wer nicht. Trotzdem gelingt es Iliadis ein wenig Pep in die Sache zu bringen. Das Ehepaar, Maris Eltern, arbeiten als gutes Team so glaubwürdig, dass man sich denkt: „Ja, so könnten Eltern reagieren.“ Wie wilde Tiere, die ihre Kinder beschützen. An einer Stelle zum Ende brüllt Krug Maris Vater an, warum er denn nur so ein Freak sei. (Wer der Freak ist, weißt der Zuschauer aber schon viel früher – und somit rechtfertigen wir den gewaltsamen Feldzug gegen das Böse.)

Die allerletzte Szene zeigt dann aber, dass auch „Last House on the Left“ ein „Horror-Film“ unserer Zeit ist und so muss hier am Ende – völlig nutzlos – ein bisschen Hirnmasse durch die Luft fliegen.

Wertung: 7 von 10 Punkten (ein überraschend spannender Film, der aber nicht für alle etwas ist)

 

Anmerkung (Frage): Wieso kommt es eigentlich, dass in solchen Filmen immer Pärchen sitzen? Das fällt mir immer wieder auf. Wieso müssen die armen, schreckhaften Weibchen solche Filme ertragen? Etwa nur, damit die glorreichen Alpha-Männchen ihren Arm um sie legen können… das würde mich brennend interessieren.

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