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Er ist tot, Jim!

10. Mai 2009

Die Geburtsstunde eines Helden: James T. Kirk. Gerade rechtzeitig damit sein sterbender Vater ein erstes und letztes Mal sein Brüllen hören kann. So fängt der neue „Star Trek“ von J.J. Abrams an – die neue Teenie-Variante, der angebliche Neuanfang der Serie. Von hier an verfolgen wir den jungen Draufgänger Kirk, der alles vögelt, was nicht bei drei auf den Beinen ist – also ein recht sympathischer, junger Mann. Oder???

Abrams „Star Trek“ beginnt noch einmal ganz von vorne: beim Bau der Enterprise. Es ist eine etwas merkwürdige Zeitreisegeschichte, die dadurch ihre Rechtfertigung für einen Neubeginn der Serie abgibt: Die Schicksale aller Beteiligten sind durch das Werk des rachsüchtigen Romulaners Nero neu geschrieben (*zwinker, zwinker* – somit wohl auch die nächsten drei Drehbücher).

Aber ist das alles wirklich gut? Ich muss sagen, ich kann nicht aus der Erfahrung eines Trekkies sprechen, da ich nie einen Film, sondern nur die alte Enterprise-Serie geguckt habe. Doch selbst die, so meine Meinung, hatte mehr Charme als Abrams Verarbeitung: Der Film ist rasant und actionreich. Es wird ordentlich was in die Luft gejagt, es wird sich ordentlich geprügelt und zwischendurch sind ein paar gute Sprüche dabei. Aber wirklich spannend war der Film nicht. Jedes Mal, wenn der junge Kirk und seine Begleiter in Gefahr sind, ist das Beamen aus einem Fall, aus einem Kollisionskurs, etc. die beste Lösung und alle sind wieder sicher auf der Enterprise.

Gut fand ich dagegen die Schauspieler, die tatsächlich etwas neuen Wind in die Figuren bringen und dennoch den ein oder anderen Wiedererkennungswert (in Bezug auf die alten Figuren) haben. Aber sonst…

Ganz am Anfang sehen wir, wie ein kleiner Kirk mit einem gestohlenen Auto durch die Wüste rast und dabei dröhnt schön laut im Hintergrund „Sabotage“ von den Beastie Boys (sehr gelungene Szene). Ich frage mich aber, ob viele Trekkies diesen Film nicht als Sabotage an Roddenberrys Werk ansehen werden. Die junge Generation, die vielleicht noch nie etwas von der Enterprise gehört hat, wird diesen Film bestimmt lieben: Action, geile Effekte und eine witzige Crew (bei Chekov bestimmt den Exotenbonus bei den Fans bekommt – geiler russischer Akzent). Ob die wahren Trekkies den Film mögen werden, müssen sie wohl oder übel selber entscheiden…

Wertung: 5 von 10 Punkten (es hätte nicht „Stark Trek“ vorne dran stehen müssen, dann wäre es ein einfacher, solider Science Fiction Film gewesen. So werden die hohen Erwartungen vielleicht nicht ganz erfüllt.)

8 Kommentare leave one →
  1. Sebastian Schuster permalink
    10. Mai 2009 16:32

    Gut 20 Jahre nachdem Gene Roddenberry seinen Stern auf dem Hollywood Walk of Fame erhielt (1985)- übrigens als erste Autor und Produzent – schloss Paramount, auf der Suche nach einer Trendwende weg von dem gefloppten letzten Star-Trek-Kinofilm Nemesis, den Vertrag mit der Person, die es tatsächlich geschafft hat das Erbe Roddenberry’s zu Grabe zu tragen – dem Losterfinder J.J. Abrams. Der Film ist ein buntes allerlei und ein Bruch mit all‘ dem, was das Star-Trek Universum zusammenhielt. Einem montonen Plot, der sich mehrfach Anleihen an vorherigen Star-Trek-Filmen vorwerfen lassen muss und abermals Zeitreisen anknüpft, stehen wirbelnde Kreisel-Kamerafahrten in den Innenräumen, schwere- und orientierungslose Kamerafahrten in den unendlichen Weiten der Nahaufnahmen und Außenbordansichten gegenüber. Hätten hier doch mal lieber die Drehbuchautoren und nicht die Kamera-Leute getrunken. Intensive Farbeindrücke und Lichtstimmungen sollen wohl auch den Zuschauer in einen drogenähnlichen Rausch versetzten. Abhängig werden aber wohl nur die, die einem Mainstream-Action-Film ohne Liebe zu dem, was die Trekkies schätzen, sehen wollen. Die Tiefe der Charaktere und Handlung sind in der weite des Alls verloren gegangen und mussten vordergründigen und platten Inhalten weichen. So wird u.a. die doch interessante Wandlung des Kirk kurz, schmerzlos und scheinbar verständlich banal dargestellt. Warum aber nur ein Satz plötzlich die Wandlung vom Saulus zum Paulus bewirkt, die vielmehr potential bot, ist mir entgangen. Und auch der Bösewicht Nero könnte in jedem anderen Film an Schurke auftauchen, nähme man ihm nur sein Raumschiff weg. Sehr aussagekräftig ist auch die letzte Szene, in der brav alle vereint auf der Enterprise mit Nahaufnahme noch einmal ins Gedächtnis gerufen werden, um dann mit einem Remake der Originalmusik entlassen zu werden. Ein glatteres Ende ohne Aussagekraft hätte es wohl nicht geben können und ist für mich bezeichnend für diesen Film.
    Ob die Zuschauer bei der Flut austauschbarer Action-Filmchen dann in den nächsten Trek-Film gehen werden bleibt abzuwarten.

  2. André Mächler permalink
    15. Mai 2009 15:43

    Na na, Herr Schuster, nicht so hart bitte zu jemandem, der eine der schwierigsten Aufgaben des Filmgeschäfts übernommen hat. J. J. Abrams muss man viel Respekt zollen, dass er sich an die schon oft für tot erklärte Star-Trek-Reihe herangewagt hat. Dementsprechend furchtlos geht er auch mit dem Kultpotential der bisherigen 10 Filme um: Nicht nur, dass die Story, Besetzung und Optik des Franchises generalüberholt wurde. Nein, auch einen tieferen Sinn vermisst man in der Neuverfilmung ein wenig. Aber: Zumindest der erste Teil der Veränderugnen war ja auch gewollt. Denn, wenn man einen Prolog zu einer altbekannten Geschichte erzählt, neue, frische und unverbrauchte Schauspieler engagiert, dazu einen guten Freund von Steven Spielberg Regie führen lässt, dann will man Veränderungen und diese waren auch abzusehen. Nun muss man sich entweder darauf einlassen oder man kann verärgert aus dem Kinosaal gehen. Ich bin für Ersteres, da die vielen witzigen Momente doch recht gut über die teilweise platte Story hinwegtäuschen, die Schauspieler ihre große Aufgabe gut meistern und die Effekte einfach genial sind. Dazu noch der nostalgische Auftritt von Leonard Nemoy, der für den tieferen Sinn der Geschichte bzw. dieses Films steht: Nämlich eine progressive und vor allem positive Science-Fiction-Reihe wiederzubeleben. Und das ist ihnen meiner Meinung nach gelungen.

    Wertung: 8 von 10 Punkten. Als alter Fan muss ich auf Chekov und Scotty verweisen, die so irre sind wie die Kamerafahrten und die Story. Aber gerade dieser Charme macht Lust auf mehr.

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