The King and I

2009 Juli 6
by donpozuelo

Stellen wir uns einen Comicbuchverkäufer vor (aber bitte nicht den aus den „Simpsons“ – dann würde das hier alles nicht mehr funktionieren). Also der Comicbuchverkäufer – ein wahrer Nerd, der sein Leben vor sich hinlebt, ohne zu erkennen, dass er gar kein wirkliches Leben führt: er geht zur Arbeit, geht vielleicht mal ins Kino und das war’s.

„True Romance“ von Tony Scott erzählt die fast schon magisch anmutende Geschichte eines solchen Comicbuchverkäufers namens Clarence (Christian Slater). Clarence ist an seinem Geburtstag allein im Kino und trifft dort auf die Schönheit Alabama (Patricia Arquette). Sie reden, sie essen später Kuchen und landen im Bett. Nun werdet ihr euch sicherlich wundern, wie das sein kann? Ganz einfach: Alabama ist ein Callgirl, dass der Chef von Clarence für ihn bestellt hat. Da der Titel nicht umsonst „True Romance“ heißt, verlieben sich die beiden und heiraten nach nur einer Nacht zusammen. Um seiner Frau zu beweisen, dass er sich wirklich liebt, stattet Clarence ihrem Zuhälter (ein genialer Gary Oldman) einen Besuch ab. Dabei kommt es zu einem kleinen Massaker, dem Clarence nur knapp entkommt – zusammen mit einem Koffer voll Kokain, dass eigentlich der Mafia gehört (was Clarence dann aber noch nicht weiß). Und wie wird man Koks am besten los? Man verkauft es in Hollywood. Und so beginnen Clarence und Alabama einen Trip nach Hollywood, leider verfolgt von der Mafia.

„True Romance“ ist ein fast schon perfekter Thriller. In erster Linie liegt das an der Ansammlung von guten Schauspielern (Dennis Hopper, Christopher Walken, Val Kilmer, Brad Pitt und bla bla bla… die Liste ist noch ewig lang. Zum anderen liegt es aber auch daran, dass Tony Scott hier ein Drehbuch von Quentin Tarantino höchstpersönlich verfilmt. Und ich meinen einen Tarantino, der da noch wirklich, wirklich gut wahr. Man merkt den Mix aus verschiedenen Filmen, Tarantinos Vorliebe für asiatische Filme spiegelt sich in Clarences und Alabamas Liebe für Kung-Fu-Filme wider, der Soundtrack zeigt das, was in späteren Filmen Tarantinos offensichtlich wird: sein Händchen gekonnt Musik und Bild zu verbinden.

Es gibt zwei zentrale Szenen, die so deutlich Tarantinos Handschrift zeigen: einmal ist da ein Dialog zwischen Dennis Hopper (der Clarences Vater spielt) und Christopher Walken (der den Mafiosi gibt), in dem sich Tarantinos Vorliebe für geniale, aber auch skurrile Wortgefechte zwischen seinen Figuren zeigt. Und dann ist da noch das Finale, dass sehr an „Reservoir Dogs“ erinnert: ein finales Töten in einem engen Hotelraum, in dem sich Mafia, Polizei und Clarence gegenüberstehen. Weiße Federn fliegen durch die Luft, während naja… auch noch andere Sachen durch die Luft fliegen.

Also: „True Romance“ ist was für Tarantino-Fans, ganz klar. Aber auch alle anderen, die mal eine Liebesgeschichte sehen wollen, die nicht kitschig ist, kommen hier voll auf ihre Kosten.

Übrigens: Wer sich fragt, was es nun eigentlich mit dem Titel dieses Berichts auf sich hat, dem sei nur so viel gesagt: Immer wenn Clarence Sorgen hat, dann sieht er den King persönlich als Mentor hinter sich stehen und unterhält sich mit ihm.

Wertung: 9 von 10 Punkten (so kann wohl nur wahre Liebe aus den Augen eines Tarantino aussehen)

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